February 28, 2021 - Comments Off on Wir arbeiten gerne für…

Wir arbeiten gerne für…

...Sebastian Unger. Er ist Prokurist der BIP Immobilien Development GmbH und für die Entwicklung der Projekte des Unternehmens verantwortlich.

Welche Eigenschaften muss ein Architekturbüro haben, mit dem Sie zusammenarbeiten?

Die Flächeneffizienz bzw. ein Maximum an verwertbarer Fläche sind für uns als Bauträger natürlich wirtschaftlich wichtig, aber das Wohlbefinden späterer Nutzer hat Priorität. Das ist oft ein Drahtseilakt, den unsere Partner mit uns gemeinsam vollziehen.

Und: Kein Mensch will in einem langweiligen Haus wohnen. Ziel ist es daher, ästhetisch ansprechende Gebäude mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln zu schaffen.

Was mir noch wichtig ist: wir wollen Partner, die wie wir Handschlagqualität haben. Und das ist bei Huss Hawlik definitiv der Fall.

Kann Architektur begeistern? Was ist dafür notwendig?

Selbstverständlich. Architektur ist eine wichtige Kunstform. Sie muss Emotionen auslösen, am besten natürlich positive. Auch das ist eine große Herausforderung und ebenso eine Gratwanderung zwischen notwendiger Polarisierung und dem Treffen möglichst vieler Geschmäcker.

Architektur muss Charakter haben, nicht austauschbar sein. Aber sie muss auch Respekt vor der Umgebung haben. Manche Häuser sind für mich zwar architektonisch ansprechend, wirken aber deplatziert.

Architektur heißt auch, Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu übernehmen. Wie stehen Sie und Ihr Unternehmen dazu?

Da stimmt absolut und ergibt sich schon aus der Tatsache, dass Architektur etwas Langlebiges ist. Sie kann auch nicht „ausgeblendet“ werden, Gebäude sind omnipräsent. Die Verantwortung ist daher sehr groß.

Gebäude müssen aber auch mit der Zeit gehen, Neues, Innovatives muss seinen Platz haben. Wir sind keine Überkonservierer. Auch Gründerzeithäuser waren zu Ihrer Zeit durchaus bahnbrechende Innovationen gegenüber dem, was vorher war. Und sind gleichzeitig ein hervorragendes Beispiel, wie gut Innovation über viele Jahrzehnte hinweg funktionieren kann, wenn sie richtig gemacht wird. Kraftvolle Ideen eben.

February 23, 2021 - Comments Off on eins und eins ist drei – Sonja Schweitzer – Krisztina Adamy – Höchstädtplatz

eins und eins ist drei – Sonja Schweitzer – Krisztina Adamy – Höchstädtplatz

Wir leben "eins und eins ist drei". Gemeinsam mit unseren Kunden schaffen wir Bauwerke, die den Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt rücken. Dabei ist uns die Zusammenarbeit mit unseren Auftraggebern auf Augenhöhe und in konstruktivem Miteinander besonders wichtig. Krisztina Adamy: "Sonja Schweitzer ist in der "Die Wohnkompanie" für das Projekt Höchstädtplatz verantwortlich. Die Arbeit mit ihr ist geprägt von Zielorientiertheit, Menschlichkeit, Kompetenz und Zuverlässigkeit. Es macht Spaß, das Projekt in der Wiener Brigittenau gemeinsam mit ihr voranzutreiben." Sonja Schweitzer: "Mit Huss Hawlik Architekten verbindet mich inzwischen eine langjährige Zusammenarbeit, die viel Spaß macht, bei der wir trotz vieler Hürden nicht den Mut verloren haben und die mit Frau Adamy als Projektleiterin immer zu erfolgreichen, tollen Lösungen führt, egal wie kompliziert, zeitintensiv und/oder unerwartet die Herausforderungen auch sein mögen."

 

February 18, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.11.

113 Architektur Fragen – Frage 2.11.

Was unterscheidet einen „Künstler“ von einem „Architekten“? (Autor: Amin Abdel-Kader)

Die Unterschiede sind so vielfältig wie die handelnden Personen und die Kontexte in denen sie agieren. Die Frage sollte vielmehr lauten, was sind die Gemeinsamkeiten von Künstlern und Architekten? 

Nach dem Ziviltechnikergesetz sind Architekten insbesondere zur Planung von Monumentalbauten, Theatern, Museumsbauten und Kirchen berechtigt, sofern sie vom künstlerischen, kulturellen oder sozialen Standpunkt von Bedeutung sind. Die Aufgabe von Architekten wird, im Unterschied zu anderen Ziviltechnikern, beratenden Ingenieuren oder Baumeistern (gewerblichen Architekten), durch ihren künstlerischen Beitrag an der Planung von Bauvorhaben definiert. Demnach ist es nur Architektur, wenn es Bau-Kunst ist. Ohne Kunst ist Architektur nur eine, im besten Fall beeindruckende, Ingenieursleistung.

ALLES IST ARCHITEKTUR

Hans Hollein (1967): „Begrenzte Begriffsbestimmungen und traditionelle Definition der Architektur und ihrer Mittel haben heute weitgehend an Gültigkeit verloren. Der Umwelt als Gesamtheit gilt unsere Anstrengung und allen Medien, die sie bestimmen. Dem Fernsehen wie dem künstlichen Klima, den Transportationen wie der Kleidung, dem Telephon wie der Behausung. Die Erweiterung des menschlichen Bereiches und der Mittel der Bestimmung der Um-Welt geht weit über eine bauliche Feststellung hinaus …“, um zum Schluss zu kommen: „Alle sind Architekten. Alles ist Architektur.“

JEDER MENSCH IST EIN KÜNSTLER

Joseph Beuys (1976): „Die Kunst ist das Bild des Menschen selbst. Das heißt, indem der Mensch mit der Kunst konfrontiert ist, ist er im Grunde mit sich selbst konfrontiert. Er öffnet sich dann selbst die Augen. Also ist angesprochen der kreative Mensch, seine Kreativität, seine Freiheit, seine Autonomie. Und das ist nur noch möglich aus dem Kunstbegriff, allerdings muß man ihn dann erweitern. Man kann und darf ihn nicht so traditionell halten und sagen: Das machen die Künstler, und das machen die Ingenieure. Das kann man aber durchbrechen. Und einen Ausweg gibt es allein durch einen erweiterten Kunstbegriff, der anthropologisch ist, der wirklich ernst nimmt, dass jeder Mensch ein Künstler ist, dass in jedem Menschen ein kreativer Kern ist.“

 

February 15, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.10.

113 Architektur Fragen – Frage 2.10.

Ist Funktionalität oder Schönheit wichtiger? (Autorin: Karin Rezar)

Genauso wie Schönheit im Auge des Betrachters liegt, so kann auch diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden.

In der Architektur beschreibt der Funktionalismus das Prinzip, wonach Gebäude nur auf dem Zweck und der Funktion des Gebäudes basieren sollten. Doch muss (oder besser sollte) Funktionalität Schönheit nicht ausschließen.

Von der Antike bis heute ist die Architektur in ihrer Form und Funktionalität ein Spiegel bzw. eine Abbildung der jeweiligen Weltsicht und Gesellschaft und wird passend zur jeweiligen Zeit als „schön“ empfunden.

Gebäude bestehen aus einem funktionellen sowie einem künstlerischen Anteil. Der funktionelle Anteil spiegelt die Struktur der jeweiligen Epoche wider, während im künstlerischen Anteil wiederum die Philosophie oder Weltsicht der Stilepoche abgebildet wird. Während klassische Gebäude durch Ornamente und Verzierungen charakterisiert sind, so ist Architektur in unserer modernen Gesellschaft eher von Funktionalität und Serialität geprägt. Die meisten modernen Gebäude bestehen aus gleichen seriellen Elementen. Die klassischen Gestaltungsprinzipien, die in Ornamenten ihren Ausdruck fanden, sind verschwunden und einer Geradlinigkeit gewichen. Was jedoch die meisten Gebäude, egal welcher Epoche, gemein haben, ist, dass sie für einen bestimmten Zweck errichtet wurden.

Daraus könnte man schließen, dass Gebäude ohne Funktionalität nicht existieren können, da sie in erster Konsequenz einer Funktion folgen und die Ästhetik bzw. die Schönheit  dabei gegenüber der Funktionalität eine untergeordnete Rolle spielen würde, da diese sich erst in zweiter Konsequenz ergibt. Jedoch ist die Ästhetik gerade für uns Architekten trotzdem nicht zu vernachlässigen. Jeder Architekt hat den Anspruch an sich selbst, ein schönes, ästhetisches Gebäude zu entwickeln, wobei die Entwicklung immer über funktionale Anforderungen definiert ist.

February 15, 2021 - Comments Off on Wir arbeiten gerne für….

Wir arbeiten gerne für….

Rudolf Burner. Der Geschäftsführer der Gartenheim ist verantwortlich für zahlreiche attraktive Projekte im geförderten Wohnbau.

Was ist für Sie bei der Planung eines Immobilienprojektes am wichtigsten?
Die Nutzbarkeit und Nutzerfreundlichkeit stehen im Mittelpunkt. Was das heißt? Maximale Wohnqualität auf effizientem Raum.

Was bedeutet "gute" Architektur für Sie?
Die Verwirklichung dieser Anforderung. Gute Architektur richtet sich ausschließlich nach den Bedürfnissen der Bewohner.

Worin liegen aus Ihrer Sicht die Stärken von Huss Hawlik?
Architekten müssen zuhören können. Es ist wahnsinnig schwierig, das eigene Wollen in Worte zu fassen, Huss Hawlik versteht uns sehr gut!

Welche schöne Erinnerung haben Sie an das gemeinsame Projekt?
Wir haben in Hirschstetten ein gemeinsames Projekt. Da gibt es in der Mitte einen Gemeinschaftsbereich, bei dem wir uns von einer Kindheitserinnerung von Andreas Hawlik inspirieren ließen – vom kleinen „IchbinIch“ von Mira Lobe.

Das Motto von Huss Hawlik ist "Eins+Eins=Drei" - Effiziente Arbeit, Menschliches Handeln und Kraftvolle Ideen - Was macht für Sie eine kraftvolle Idee aus?
„Sei realistisch, plane ein Wunder“. Eine kraftvolle Idee muss über das Gewöhnliche hinausgehen, einen visionären Touch haben.

February 11, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.9.

113 Architektur Fragen – Frage 2.9.

Was sind Komplementärfarben? (Autorin. Krisztina Adamy)

Der Begriff Komplementärfarbe kommt aus der Farbenlehrte und bedeutet aus dem Lateinischen („complementum“) übersetzt „Ergänzung“. Sie sind also Ergänzungsfarben. Abhängig von der additiven oder subtraktiven Farbmischung ergeben Komplementärfarben schwarz beziehungsweise weiß. Man kann die Komplementärfarben auch daran erkennen, dass sie sich im Farbkreis gegenüberstehen. Die bekanntesten Komplementärfarben sind blau-gelb, rot-grün und blau-orange.

Durch die Gegensätzlichkeit der Komplementärfarben entstehen deutliche Kontraste. Diesen Kontrast oder auch den Mangel dieser Kontraste verwendet man in der Kunst, der Fotografie, der Marketingbranche aber auch in der Architektur um eine Wirkung auf die Beobachter zu erzielen.

Wenn für eine Fassade oder eine Innenraumgestaltung Farben und Materialien ausgesucht werden, spielen dabei sehr viele Faktoren eine Rolle. Oft sind die gewünschten Farben bei einem Hersteller nicht verfügbar oder nicht wirtschaftlich herstellbar. Deswegen ist es wichtig, die Produkte zu bemustern und die Farbpaletten in der Realität anzuschauen, um die richtige Wahl zu treffen.

February 8, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.8.

113 Architektur Fragen – Frage 2.8.

Ästhetik vs. Wirtschaftlichkeit (Autor: Georg Denninger)

Schon seit Anbeginn der Architektur ging es darum technische, funktionale und ökonomische Lösungen mit einer entsprechenden Ästhetik zu kombinieren und umzusetzen. Bereits zur Zeit der Hochkulturen in Ägypten und Griechenland wurde viel Wert auf das Erscheinungsbild der Bauwerke wie zum Beispiel Paläste, Tempel und weitere Prachtbauten gelegt. In der modernen Architektur werden jedoch aus wirtschaftlichen Gründen öfters technische und funktionale Lösungen einer ästhetischen Wahrnehmung des Gebäudes übergeordnet. Dies betrifft in erster Linie den stadtbildprägenden Wohnbau.

Beim Entwurf und der Planung von Firmensitzen, Museen und teilweise auch öffentlichen Gebäuden haben Architekten einen ganz anderen Planungsspielraum. Bei solchen Bauten spielen die Ästhetik und das Erscheinungsbild als Statussymbol eine übergeordnete Rolle. Oftmals werden diese „Landmarks“ von internationalen Star-Architekten errichtet.

So bilden sich zwei Gruppen mit unterschiedlichen Wertigkeiten hinsichtlich Ästhetik und Wirtschaftlichkeit in der Architektur: Pracht- und Repräsentationsbauten vs. Wohn- und Zwecksbauten.

Auf die Wirtschaftlichkeit wird vor allem im Wohnbau großen Wert gelegt, da gerade in heutiger Zeit das Wohnen immer teurer wird und für viele Menschen bald nicht mehr leistbar ist. Selten werden Projekte umgesetzt, bei denen sich weder Bauherr noch Architekt nicht ein größeres Budget oder größeren Gestaltungsspielraum wünschen. Doch gerade diese Budgetbeschränkungen erfordern von uns Architekten viel Kreativität bei der Entwicklung entsprechender ökonomischer Lösungen – vom Vorentwurf bis hin zum Ausführungsdetail, damit das Bauwerk sich gut in die Umgebung einfügt und den Bewohnern ein Gefühl des „Zuhause-sein“ vermittelt.

February 4, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.7.

113 Architektur Fragen – Frage 2.7.

Wann ist ein Gebäude schön? (Autor: Andreas Hawlik)

Die Fragestellung ist so banal wie schwierig und gleichzeitig mehrschichtig.

Die Frage nach der Schönheit ist so alt wie unsere Kultur, oder sogar älter. Ein im Falle der Architektur mit den Augen aufgenommener Sinnesreiz löst in unserem unterbewussten Gefühlssystem ein positives Empfinden aus – in seltenen Fällen könnten sogar Glückshormone ausgeschüttet werden. Dieser Vorgang dauert nur den Bruchteil einer Sekunde und ist durch logische Argumente nicht mehr wesentlich zu beeinflussen.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Unsere kulturelle Prägung lässt innerhalb unseres Kulturkreises jedoch gewisse Vorlieben entstehen und so können wir Zusammenhänge erkennen. Folgt die Form der Funktion und der konstruktiven Logik, so können viele Betrachter diese Logik erkennen und empfinden das Gebäude als „schön“.

Ordnung vermittelt Sicherheit und Stabilität – das erwarten wir in der Regel von einem Gebäude. Eine Sportarena soll andere Emotionen wecken als ein Museum oder eine Schule. Für jede Funktion gibt es ein anderes „schön“.

Dekorative Elemente unterliegen dem Geschmack der Zeit, wie uns die über hundert Jahre alte Diskussion um das Haus am Michaelerplatz vor Augen führt. Das für den feinsinnigen Betrachter missglückte Dekorieren eines Nachkriegsgebäudes mit einer kolossalen Säulenordnung kann aber beim Großteil der Betrachter zumindest neutral bis positiv beurteilt werden. Funktionslose technoide Gestaltungselemente sind genauso geschmäcklerisch. Der oft verehrte Minimalismus lebt von ausgewogenen Proportionen der Volumina, sowie von Materialität und Textur (z.B. Neubauten im Museumsquartier).

Wann ist also ein Gebäude schön? Wenn es zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht. Jedenfalls aber muss ein schönes Gebäude gut gepflegt werden, damit es auch schön bleibt. Ein desolates Gebäude finden in der Regel die wenigsten schön – doch selbst für die Ästhetik der verfallenen Orte gibt es mittlerweile eine wachsende Fangemeinde…

February 1, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.6.

113 Architektur Fragen – Frage 2.6.

Welche Vorgaben hinsichtlich des Erscheinungsbilds kann die Baubehörde vorschreiben? (Autor: Andreas Hawlik)

Grundsätzlich schreibt nicht die Baubehörde Regeln zum Ortsbild vor, sondern überwacht deren Einhaltung. Das beabsichtigte Ortsbild wird in den Bebauungsbestimmungen festgeschrieben. Manchmal gibt es ergänzende Leitbilder oder Satzungen. In diesen Dokumenten wird festgelegt, welche optischen Eigenschaften ein geplantes Gebäude aufweisen muss, um sich in das bestehende oder beabsichtigte Ortsbild einzufügen.

Wesentliche Merkmale, wie minimale oder maximale Gebäudehöhe, geschlossene oder offene Bauweise, Vorgarten und die Form des Daches sind der Grundstock des Ortsbilds und in den Bebauungsplänen so klar definiert, dass es hierüber zumeist nicht zu Diskussionen kommt.

Gibt es klar definierte Vorschriften über Materialitäten, Fenstergrößen- und Proportionen und z.B. Dachfenster, wie dies in historischen Ortskernen oft der Fall ist, finden wir als Architekten also ausreichend „Spielregeln“ vor, so können wir uns bei unserer Arbeit gut daran orientieren und diese einhalten.

Schwierig wird die Situation für uns, wenn bei der Planung auf das „Ortsbild“ oder das „örtliche Stadtbild“ Rücksicht genommen werden muss, dieses gewünschte Bild aber nicht genau festgeschrieben ist und die Erwartungen von Politik, Behörde, Bauherr und Architekt divergieren. In diesem Fall entsteht die Situation, welche der Fragestellung zu Grunde liegt: Was kann die Behörde vorschreiben?

In diesem Fall ist unser Fingerspitzengefühl, unsere Erfahrung, aber auch manchmal unser Mut gefragt, sich über eingefahrene Konventionen hinwegzusetzen. Die Funktion der Behörde ist es, den politischen Willen zu vertreten, also das demokratische Interesse. In der Regel ist eine konsensuale Abstimmung des Entwurfs mit den Fachleuten der Behörde möglich. Aber oft müssen wir später bei der Bauverhandlung feststellen, dass insbesondere bei den Anrainern jegliche Veränderung negativ empfunden wird. Hier wird oft das zu bewahrende Ortsbild als Zweckargument vorgeschoben – auch wenn das Projekt dem Bebauungsplan – also dem „beabsichtigten Ortsbild“ entspricht.

January 29, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.5.

113 Architektur Fragen – Frage 2.5.

Welche Behörden beurteilen die Ästhetik eines Gebäudes? (Autor: Evgeni Gerginski)

Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Damit es jedoch vor allem in dicht besiedelten Gebieten nicht zu einer Reizüberflutung beim Betrachten der Neubauten kommt, gibt es unterschiedliche Instanzen, die versuchen, ein stimmiges Bild im öffentlichem Raum zu bewahren. Bei historisch wertvollen Gebäuden bewerten andere Institutionen die ästhetische Bedeutung.

In Österreich sind die Instanzen je nach Zuständigkeit die Gemeinden oder der Bund selbst. Daneben gibt es noch die UNESCO.

Die UNESCO identifiziert und schützt Kultur- und Naturdenkmäler von universellem Wert. Diese Stätten müssen mittels nationaler Maßnahmen (Ministerien BMK und BMKÖS) für künftige Generationen erhalten bleiben. In Österreich gibt es derzeit 10 Welterbestätten (Wien Innere Stadt, Hallstatt,…).

Der Bund ist mit dem Bundesdenkmalamt für Stätten verantwortlich, die einen nationalen Wert haben. Diese Einrichtungen sind im Denkmalverzeichnis aufgelistet, das laufend von Experten erweitert wird. Besitzt jemand so ein Gebäude, benötigt er für fast jede Veränderung eine Genehmigung.

In den Bundesländern gibt es die Ortsbildkommissionen mit ihren Sachverständigen und in Wien die Magistratsabteilung für Architektur und Stadtgestaltung (MA 19). Die Gemeinden legen mittels Verordnungen die gestalterischen Rahmenbedingungen fest, indem sie zum Beispiel Dachneigungen und Materialien vorgeben. Mittels Schutzzonen können generelle Bestimmungen für ganze Straßenzüge festgelegt werden.

In reinen Einfamilienhaus-Siedlungen und wenn das Haus nicht gerade an einer exponierten Stelle oder in einer Gemeinde mit hohem architektonischem Anspruch liegt, besteht allerdings ein noch größerer Gestaltungsfreiraum.

Im speziellen Fall Wien entscheidet die MA-19 mit ihren fachkundigen Referenten, ob sich ein Gebäude ins Stadtbild einfügt oder nicht. Dabei ist entscheidend, was vom öffentlichen Raum sichtbar ist. Selbst bei Einfamilienhäusern, die von der Straße gut sichtbar sind, muss das Einverständnis für die äußere Gestaltung bei der MA 19 eingeholt werden.
Da wo noch kein Stadtbild vorhanden ist – also in den Entwicklungsgebieten – sind die architektonischen Einschränkungen moderater.

Einen Spezialfall bilden die kleinen "gallischen Dörfer", auch Kleingartensiedlungen genannt, wo quasi gestalterische Narrenfreiheit herrscht und keine ästhetischen Ansprüche an die Häuser gestellt werden. So kommt es dazu, dass neben dem DIY-Haus ein Architekturjuwel steht. Der Farb- und Formwelt in diesem Konglomerat sind keine Grenzen gesetzt. Da hilft es nur, den Zaun um diese Siedlungen so hoch und blickdicht wie möglich zu machen, denn oft sind sie mittlerweile mitten im urbanen Umfeld…