Archives for July 2021

July 22, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.8

113 Architektur Fragen – Frage 4.8

Wieso ist die Unabhängigkeit der Ziviltechniker*innen wichtig?                                (Autor: Amin Abdel-Kader)

 

Die Forderung nach der Unabhängigkeit von Ziviltechniker*innen ist im Ziviltechnikergesetz (ZTG) verankert und hängt ursächlich mit der Befugnis zur Ausstellung öffentlicher Urkunden zusammen. Da die Behörde der Beurkundung durch Architekt*innen den gleichen Stellenwert beimisst, wie der eigenen Begutachtung von Unterlagen, muss mögliche Befangenheit ausgeschlossen werden.

ZTG § 12. (2) „Die Ziviltechniker*innen dürfen Beurkundungen nicht vornehmen ... bei Vorliegen von Gründen, die geeignet sind, ihre volle Unbefangenheit in Zweifel zu ziehen."

Mit der Beglaubigung von Einreichunterlagen bestätigt Architekt*innen, dass diese den anzuwendenden Gesetzen entsprechen und leisten somit auch einen entscheidenden Beitrag zur zügigen Abwicklung des Genehmigungsverfahrens.

Über die Beurkundungstätigkeit hinaus besteht auch die Forderung nach der wirtschaftlich unabhängigen Betrachtung im Bauprozess.

Darauf beruht die Bestimmung, dass Ziviltechniker*innen im Rahmen ihrer Fachgebiete zu keinen ausführenden Tätigkeiten berechtigt sind und dass die Ausübung eines Gewerbes, das auch zum Befugnisumfang von Ziviltechniker*innen gehört, mit der Ausübung der Befugnis unvereinbar ist.

So wird gewährleistet, dass es bei Ausschreibungen und Vergaben von Bauaufträgen zu keinerlei Interessenskonflikten kommt. Außerdem wäre, ohne Trennung von Planung und Ausführung, keine unabhängige örtliche Bauaufsicht möglich.

Gemäß ZTG sind Architekt*innen, neben ihren planerischen Tätigkeiten und der berufsmäßigen Vertretung vor Behörden und Körperschaften öffentlichen Rechts, zur organisatorischen und kommerziellen Abwicklung von Projekten, berechtigt.

Somit stehen Architekt*innen, als unabhängigen Berater*innen für alle Fragen zu Bauvorhaben und deren Realisierung, ohne Einschränkung im Dienst ihrer Kund*innen. Und gewährleisten ihren Auftraggeber*innen eine unvoreingenommene, koordinierende und prüfende Interessensvertretung, sowohl vor Behörden, wie gegenüber den ausführenden Firmen.

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass der Nationalrat, in überschießender Interpretation eines EuGH-Urteils, das Ziviltechnikergesetz novelliert hat und durch die uneingeschränkte Legitimierung der Beteiligung Berufsfremder an Ziviltechnikergesellschaften, die zuvor beschriebe Unabhängigkeit des Stands der Ziviltechniker*innen in Gefahr bringt.

July 16, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.7

113 Architektur Fragen – Frage 4.7

Welche Vorteile hat ein Generalplaner?  (Autor: Georg Denninger)

Die Beauftragung eines Generalplaners (GP) bringt für einen Bauherren viele Vorteile mit sich, ähnlich eines Generalunternehmers in der Ausführungsphase. Der Generalplaner ist einziger Vertragspartner des Auftraggebers und übernimmt die komplette Planungsleistung, von Architektur bis zu den jeweiligen Fachplanern. Außerdem übernimmt er die komplette Verantwortung, auch rechtlich.

Unter anderem bringt ein Generalplaner für den Auftraggeber folgende Vorteile:

  • Für den Auftraggeber gibt es nur einen Ansprechpartner, bei welchem auch sämtliche Haftungen und Risiken liegen. Durch die Vergabe an einen Generalplaner sind auch Lücken, welche bei Einzelvergaben entstehen können, da diese nur die im Leistungsbild enthaltenen Leistungen erfüllen müssen, nahezu ausgeschlossen. Das kommt daher, weil im GP-Auftrag die gesamte Planungsleistung abgedeckt ist.

 

  • Die Übergabe der Planungskoordination an den Generalplaner bringt dem Auftraggeber einen geringeren Ressourcenbedarf, da der Zeitaufwand für Einzelvergaben und diverse Abstimmungen auf ein Minimum reduziert werden. Der GP übernimmt die Steuerung und Koordination sowie Integration der Fachplaner.

 

  • Der Generalplaner kann meist auf ein eingespieltes Team zurückgreifen, da die Beauftragung sämtlicher Subunternehmer/Fachplaner bei ihm liegt. Durch die freie Wahl der Fachplaner und somit der Zusammenstellung des gesamten Teams ist in sämtlichen Projektstadien ein reibungsloser Ablauf gewährleistet.

Welche Fachplaner u.a. im Generalplanerauftrag enthalten sein können und bis zur Genehmigung eines Projektes erforderlich sind lesen Sie in unserer Frage 4.4.

Als Architekturbüro stehen wir unseren Auftraggebern sehr gerne bei der Verwirklichung Ihrer Projekte als Generalplaner zur Verfügung. Gemeinsam mit unseren Bauherren können wir unsere Vision - Bessere Lebensräume - zu erschaffen umsetzen.

July 7, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.6

113 Architektur Fragen – Frage 4.6

Wie ist die Kammer der Ziviltechniker*innen organisiert? (Autorin: Karin Rezar)

Die Kammern der Ziviltechniker*innen sind die gesetzlichen Berufsvertretungen, der staatlich befugten und beeideten Ziviltechniker*innen, zu denen neben den Architekten auch die Ingenieurkonsulenten zählen. Sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und ihre Rechtsgrundlage bildet das Ziviltechnikergesetz, derzeit das ZTG 2019.

Neben der Bundeskammer, welche ihren Sitz in Wien hat, gibt es vier Länderkammern:

  • Wien, Niederösterreich und Burgenland mit Sitz in Wien
  • Steiermark und Kärnten mit Sitz in Graz
  • Oberösterreich und Salzburg mit Sitz in Linz
  • Tirol und Vorarlberg mit Sitz in Innsbruck

Alle vier Länderkammern sind Mitglieder der Bundeskammer, deren Wirkungsbereich sich auf das ganze Bundesgebiet erstreckt. Sie beschäftigt sich mit Angelegenheiten, welche die gemeinsamen Interessen der Mitglieder von zwei oder mehreren Länderkammern berühren. Dazu zählen beispielsweise Einrichtungen zur Krankenvorsorge der Kammermitglieder, der Erlass von Standesregeln oder Leistungsbildern sowie das Führen eines Urkundenarchivs.

Die Länderkammern gliedern sich jeweils in zwei Sektionen. In die Sektion der Architekten auf der einen Seite und in die Sektion der Ingenieurkonsulenten auf der anderen.

Innerhalb ihres örtlichen Wirkungsbereichs sind sie dazu berufen, die beruflichen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Ziviltechniker*innen wahrzunehmen und zu fördern. Schlichtungen, die fachliche Weiterbildung in Form von Seminaren sowie angehende Ziviltechniker*innen auf den Berufsantritt vorzubereiten oder das Führen des Ziviltechikerverzeichnisses sind nur ein Teil der Leistungen.

Neben der Interessensvertretung sorgen sie auch für die Wahrung des Standesansehens sowie für die Erfüllung der Berufspflichten.

Die Vertretung erfolgt durch gewählte, ehrenamtlich tätige Berufsvertreter.

Sowohl die Bundes-, als auch die Länderkammern setzen sich nicht nur für die oben beschriebenen wichtigen Unterstützungsmaßnahmen ein, sondern bewahren auch die Unabhängigkeit der Ziviltechniker*innen, welche zuletzt durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, mit welchem eine Aufweichung des Standesrechts verbunden gewesen wäre, ein. Durch dieses Engagement wird die Höhe Qualität, für die die Arbeit der Ziviltechniker*innen steht, entscheidend gewahrt.