Archives for June 2021

June 23, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.4

113 Architektur Fragen – Frage 4.4

Welche Fachplaner sind für die Erstellung eines Einreichplanes erforderlich?       (Autor: Johann Peck)

Geometer / ZT für Vermessung: Durchführung von grundbücherlichen Leistungen, Umwidmungen und Zusammenlegungen von Grundstücken, Vermessung von Grundstückgrenzen, Erstellen von Lage- und Höhenplänen, Erhebung von Einbauten im öffentlichen Grund und Aufschlussleitungen für Grundstücke.

Statiker / ZT für Bauingenieurwesen: Erstellung von Tragwerkkonstruktionen und Fundierungen, Ausarbeiten einer statischen Vorbemessung, Berechnung und Ausarbeitung von Konzepten für Baugrubensicherungen

Geotechniker / Hydrologe: Erkundung der Baugrund- und Grundwasserverhältnisse, Ermittlung der Grundlagen für die statische Tragkonstruktion, Ausarbeitung von Konzepten für Versickerungen von Regenwässer

Bauphysiker: Erstellung einer bauphysikalischen Untersuchung, Ausarbeiten von Energieausweisen, Festlegung eines Baustoffkataloges

Haustechnikplaner: Ausarbeitung von wirtschaftlichen Heiz- und Kühlsystemen auf Basis der möglichen/vorhandenen Energieversorger

Ziviltechnische Büro für Umwelttechnik (Bedarf projektabhängig): Ausarbeitung von Schall- und Lufttechnischen Gutachten, basierend auf vorliegende Messungen von Schallimmissionen der in Einflussbereich liegenden Umgebung, Ermittlung der Schadstoff-und Staubemissionen sowie deren Quellen

Verkehrsplaner (Bedarf projektabhängig): Ausarbeitung eines Verkehrskonzeptes, planliche Festlegung von Außenanlagen aus Basis der zu erwartenden Verkehrsteilnehmer

Elektrotechnik (Bedarf projektabhängig): Ausarbeitung und Abklärung mit dem elektrischen Energieversorger über den Bedarf der Stromversorgung

SV-Büro für Rodungen (Bedarf projektabhängig): Ausarbeiten eines Rodungskonzeptes und Erstellen von Rodungsansuchen

June 21, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.3

113 Architektur Fragen – Frage 4.3

 Seit wann gibt es Architekten? (Autorin: Krisztina Adamy)

Im Laufe der Geschichte hat sich der Beruf des Architekten und die damit verbundenen Aufgaben und Verantwortungsbereiche mehrfach gewandelt und definiert. Die ersten Architekten waren für die Gestaltung und das Errichten der Bauwerke ganzheitlich verantwortlich. In der antiken Ära kümmerten sich Baumeister sowohl um die Gestaltung als auch um die Statik und beaufsichtigten den Bauablauf. Damals waren Architekten Künstler und Ingenieure zugleich und die Aufträge haben sich vorerst auf Sakral- und Monumental-Bauten beschränkt. Um ca. 2600 v.Chr., in ägyptischer Zeit war Imhotep der oberste Baumeister der ägyptischen Pyramiden, der erste namentlich überlieferte Architekt der Menschheitsgeschichte. In das antike Griechenland werden Kallikrates und Iktinos mit dem Bau des Parthenon auf der Akropolis in Athen in Zusammenhang gebracht. Im 1. Jahrhundert v. Chr. publiziert Vitruv, ein römischer Architekt, Ingenieur und Architekturtheoretiker, die weltberühmt gewordene „De architectura libri decem“, die zehn Bücher über Architektur, eine umfassende Darstellung der Architektur sowie des damaligen Kenntnisstands des Bauingenieurwesens.

Im Mittelalter wurde der Beruf der Architekten unbekannt, es gab nur Handwerker. Erst in der Renaissance, in der Zeit, in der die Antike wiederentdeckt und wieder zum Leben erweckt wurde, hat der Beruf erneut an Bedeutung gewonnen. Später, durch die Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert, hat sich der Beruf wesentlich verändert.

Neben den oben genannten öffentlichen Bauaufgaben kamen nun private Auftraggeber hinzu. Das Gebäude (Wohnhaus, Stadthaus, Fabrik) wurde zum Statussymbol der bürgerlichen Eliten.

Wegen des technischen, ökonomischen und sozialen Fortschritts wurden den am Bau Beteiligten neue Herausforderungen gesetzt, diese Änderungen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Aufgaben der Architekten wurden auf unterschiedliche Disziplinen aufgeteilt, wie unter anderem Statik, Bauphysik, Gebäudetechnik. Aus dem engeren Berufsfeld der Architekten sind in folge auch mehrere Fachdisziplinen wie Städtebau, Landschaftsarchitektur oder Innenarchitektur entstanden.

June 17, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.2

113 Architektur Fragen – Frage 4.2

Wie werde ich Ziviltechniker? (Autor: Georg Denninger)

Der Begriff Ziviltechniker umfasst die Berufe Architekt und Ingenieurkonsulent. Sie sind aufgrund einer staatlich verliehenen Befugnis auf ingenieurwissenschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Fachgebieten freiberuflich tätig.

Um zur Ziviltechniker-Prüfung zugelassen zu werden, muss ein einschlägiger Universitäts- bzw. Fachhochschul-Studiengang mit Masterabschluss absolviert werden (zB: Diplomstudium einer technischen oder naturwissenschaftlichen oder montanistischen Studienrichtung). Die genauen Verleihungs- & Zulassungsvoraussetzungen sind im Ziviltechnikergesetz 2019 ausführlich beschrieben.

Nach dem Studienabschluss sind 3 Jahre Praxiserfahrung zu sammeln, wovon mind. 1 Jahr bei Absolventen der Studienrichtung Architektur auf praktische Betätigung auf Baustellen und bei Absolventen des Vermessungswesens auf Grenzvermessung, Zu- und Abschreibungen entfallen muss. Kann man diese Praxiszeit durch entsprechende Zeugnisse und Unterlagen nachweisen, kann man bei der Kammer im Bundesland des Wohnsitzes um Ansuchen zur Zulassung zur Ziviltechnikerprüfung stellen.

 

Für den Fall, dass man an einer ausländischen Hochschule studiert hat, bedarf es einer Nostrifizierung; sonstige Befähigungsnachweise sind ebenfalls anerkennen zu lassen.

Bei der Prüfung des Ansuchens wird neben den bereits erwähnten erforderlichen Befähigungsnachweisen auch geprüft, ob Ausschlussgründe wie zB. anhängiger Konkurs, Insolvenzeröffnung, fehlende erforderliche Zuverlässigkeit, vorliegen.

Nach positiver Prüfung bekommt man einen Bescheid über die Zulassung zur Ziviltechnikerprüfung. Die mündlich abgehaltene Prüfung umfasst für Architekten 4 Gegenstände:

  1. Österreichisches Verwaltungsrecht
  2. Betriebswirtschaftslehre
  3. Rechtliche und fachliche Vorschriften für das Fachgebiet
  4. Berufs- und Standesrecht.

Bewerber zur Befugnis eines Ingenieurkonsulenten für Vermessungswesen müssen zusätzlich noch ihre Kenntnisse in weiteren Prüfungsgegenständen nachweisen. Im Falle von positiv abgelegten Prüfungen von 1, 2 und 4 während des Studiums können diese angerechnet werden, sofern diese nicht länger als 10 Jahre her sind. Die Prüfung kann maximal zweimal wiederholt werden.

Zur Vorbereitung auf die Prüfung bietet die Kammer zweimal jährlich einen zweiwöchigen Vorbereitungskurs an.

 

Nach erfolgreich abgelegter ZT-Prüfung kann man dann den Befugnisantrag beim zuständigen Ministerium (BM für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort) stellen. Diesem wird mittels Bescheid entsprochen. Danach fehlt nur noch die Ablegung des Berufseides vor dem/der jeweiligen Landeshauptmann/frau um selbstständig als Ziviltechniker tätig werden zu können. Für den Fall, dass man dies nicht möchte, gibt es die Möglichkeit, die Befugnis bei der jeweiligen Kammer ruhend zu stellen.

June 10, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.1

113 Architektur Fragen – Frage 4.1

Warum brauche ich einen Architekten? (Autor: Evgeni Gerginski)

Es gibt zwei unterschiedliche Möglichkeiten, wie diese Frage beantwortet werden kann. Einerseits rein aus dem Baurecht und der Notwendigkeit heraus und andererseits mit dem Mehrwert, den ein Architekt gegenüber anderen Planungsbefugten mit sich bringt.

Im Baurecht findet sich oft der Begriff des Planverfassers wieder. Dieser ist berechtigt die erforderlichen Einreichpläne und Dokumente für das Baubewilligungsverfahrens zu erstellen und unterfertigen. Somit aber auch für deren Richtigkeit zu haften. Dies bezieht sich zum Beispiel auf die Einhaltung der Bauvorschriften zu Lage, Größe, Brandschutz, Hygiene und Barrierefreiheit des künftigen Gebäudes, aber auch u.a. von Arbeitsstättenrichtlinien, Veranstaltungsgesetz, Garagengesetz, usw.

Planverfasser generell dürfen entweder Baumeister oder Ziviltechniker (Architekten oder Zivilingenieure) sein. Die Befugnisse zwischen beiden Gruppen unterscheiden sich jedoch enorm. So darf der Baumeister zwar auch ausführen, Architekten hingegen dürfen große öffentliche Bauten planen, die vom künstlerischen, kulturellen und sozialen Standpunkt von Bedeutung sind. Auch sind Architekten berechtigt, Gutachten und Urkunden (Ortsbild, Bestandspläne, Fertigstellungen, Baufortschrittsbestätigungen, etc) in ihrem Fachgebiet auszustellen.

Einer der wesentlichen Vorteile bei der Beauftragung eines Architekten ist die Tatsache, dass er als Dienstleister kein Interesse an der günstigsten Ausführung hat, sondern an der besten. Somit kann sich der Bauherr darauf verlassen, dass der Architekt stets seine Interessen wahren wird.

Jedes Projekt an sich ist ein Unikat, da es auf seine Umgebung reagiert und den besonderen Vorstellungen seiner Nutzer gerecht werden will. Architekten setzen sich bei Ihren Projekten Kraft ihrer Ausbildung kreativ, wissenschaftlich, sozial und künstlerisch auseinander. Es können einzigartige anstelle von Standardlösungen für die Gebäude erarbeitet werden bzw. maßgeschneiderte Lösungen entstehen. Die interdisziplinäre Herangehensweise ermöglicht auch, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und zukunftsweisende Gesamtlösungen anzubieten.

 

Die gute und vergleichsweise geringe Investition in die Planung am Anfang spart später viel Geld in der Ausführung!

June 3, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.13

113 Architektur Fragen – Frage 3.13

Frage: Darf ich meine Wohnung / mein Haus umbauen wie ich möchte?

(Autor: Amin Abdel-Kader)

Die Vorstellung, dass ich über mein Eigentum verfügen kann wie ich will, trifft in Gemeinschaften selten zu.

Wie in den vorigen Kapiteln dieser Reihe ausführlich dargestellt, sind nur jene baulichen Maßnahmen, die sich innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen bewegen und gemäß den Vorschriften der Behörde zur Kenntnis gebracht werden, zulässig.                                       Auch alle Umbauarbeiten müssen nach den geltenden Gesetzen und Richtlinien geplant und ausgeführt werden.

So sind Fragen der widmungsgerechten Nutzung, innerhalb der zulässigen Ausnutzung der Bebaubarkeit und den Anliegen des Stadtbilds und Verkehrs zu klären.

Bei Umbauten kommen besonders Fragen der Standsicherheit, des Brandschutzes, der Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit, des Schallschutzes, sowie Hygiene, Gesundheit, Umweltschutz und Energieeffizienz zu tragen – also die OIB-Richtlinien.

Bei Wohnungseigentumsobjekten ist unter Berücksichtigung des Privatrechts für alle Änderungen, die allgemeine Teile des Hauses betreffen – und das sind z.B. auch die Fenster – das Einvernehmen mit den Miteigentümer*innen herzustellen.

Die Anrainer erlangen nur bei einer Vergrößerung des Volumens oder der Aufstellung von lärmenden Klimaanlagen ein Mitspracherecht.

Also, wenn man/frau will was er/sie darf, steht der Erfüllung ihrer Wünsche nichts im Weg.