Archives for April 2021

April 29, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.9.

113 Architektur Fragen – Frage 3.9.

Wieso macht man eine Grenzverhandlung? (Autor: Andreas Hawlik)

Die Position eines Gartenzauns in der Natur hat meistens nicht viel mit der tatsächlichen Grundstücksgrenze zu tun. Die langfristige Benutzung eines Grundstücksteils kann zur Folge haben, dass sich die Grenze ändert! Wird etwa ein Grundstreifen ununterbrochen mehr als 30 Jahre lang durch den Nachbarn – im guten Glauben, dass es sich um sein Grundstück handelt – genutzt, hat er diesen Grundstücksstreifen ersessen.

Um die Grenzen seines Grundstücks dauerhaft zu sichern, besteht die Möglichkeit zur „Einverleibung in den Grenzkataster“. Dieser wird mittlerweile digital geführt und die Grenzpunkte eines dort eingetragenen Grundstücks sind gesichert und können jederzeit von einem Geometer wieder eingemessen werden. Diese Einverleibung wird im Grundbuch erkenntlich gemacht und auch in der Katastralmappe durch eine Unterstreichung Grundstücksnummer mit drei Linien dargestellt.

In dicht verbauten Altortgebieten ist eine Abweichung der Grenzen in der Natur von jenen in der Katastralmappe sehr häufig zu finden. Auch die Grundstücksgrößen im Grundbuch weichen von der Natur oft erheblich ab. Dies ist insbesondere für die Berechnung der Bebauungsdichte von Relevanz.

Zur Eintragung in den digitalen Kataster wird vor Ort eine Grenzverhandlung durchgeführt, zu der alle betroffenen Liegenschaftseigentümer*innen geladen werden. Nach Unterfertigung des Protokolls durch alle Teilnehmer kann eine Einverleibung erfolgen, Streitigkeiten gehen zu Gericht.

Derzeit ist nur etwa ein Achtel aller österreichischen Grundstücke im Grenzkataster registriert – die Wahrscheinlichkeit bei einem Grundstückskauf ungesicherte Grenzen vorzufinden ist also hoch. Nur durch Einverleibung in den Grenzkataster ist man als Eigentümer gegen künftige Grenzstreitigkeiten mit den Nachbarn gefeit, und kann sicher sein, dass das gesamte Grundstück, das man besichtigt, mit exakt dem Flächenausmaß, für das man bezahlt hat, einem auch tatsächlich gehört.

April 26, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.8.

113 Architektur Fragen – Frage 3.8.

Was sind die OIB-Richtlinien? (Autor: Michael Pitsch)

Wie schon in einigen vorherigen Beiträgen erwähnt, ist das Baurecht in Österreich aufgrund der föderalistischen Struktur Sache der Bundesländer. Somit fallen auch die Bautechnikverordnungen in diesen Kompetenzbereich. Um Harmonisierungen in diesem Bereich zu erlangen, wurde von den Bundesländern im Jahr 1993 das Österreichische Institut für Bautechnik (OIB) gegründet.
Eine Teilaufgabe dieses Vereins ist die die Herausgabe der „OIB Richtlinien“, in welchen die bautechnischen Verordnungen geregelt werden. Die erste Ausgabe erfolgte 2007 und werden im 4-Jahres Rhythmus erneuert. Die Richtlinien werden nach Beschluss der Generalversammlung herausgegeben und stehen damit den Bundeländern zur Verfügung. Die Länder haben folglich die Möglichkeit diese in Ihrer Bauordnung verbindlich zu machen.

Zurzeit liegen 6 Richtlinien, für folgende Bereiche, vor:
RL 1 – Standsicherheit
RL 2 – Brandschutz
RL 3 - Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz
RL 4 - Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit
RL 5 - Schallschutz
RL 6 - Energieeinsparung und Wärmeschutz

Dadurch, dass die Richtline 6 in allen Bundesländern verbindlich ist, wird auch der Energieausweis für Gebäude in einer Gesetzesnorm standardisiert.
Die OIB-Richtlinien folgen dem Konzept leistungsorientierter bautechnischer Richtlinien. In Folge dessen kann von diesen abgewichen werden, wenn der Bauwerber nachweist, dass ein gleichwertiges Schutzniveau erreicht wird.
Eine Problemstelle ist allerdings, dass nicht alle Bundesländer die letztgültigen Ausgaben der Richtlinien in Kraft gesetzt haben und es teilweise auch eigene Versionen einzelner Bundesländer gibt. Somit sind unterschiedliche Versionen parallel gültig, wodurch die Harmonisierung wieder unterlaufen wird.

Mit anderen Worten: Es ist noch ein langer Weg, bis überall in Österreich nach den gleichen Regeln gebaut werden kann.

April 19, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.7.

113 Architektur Fragen – Frage 3.7.

Was ist der Unterschied zwischen offener und geschlossener Bauweise hinsichtlich der Ausnutzbarkeit eines Grundstücks? (Autor: Michael Pitsch)

Der Bebauungsplan regelt die bauliche Ausnützbarkeit des Grundstücks. Anhand des Beispiels der Wiener Bauordnung wird dies im §5 definiert:
„Die Bebauungspläne haben darzustellen, ob bzw. in welcher Weise die von den Flächenwidmungsplänen erfassten Grundflächen und die darüber- oder darunterliegenden Räume bebaut werden dürfen (…)“
Ein wesentlicher Teil dieser Regelung betrifft die Bauweise. Diese legt fest wie die Gebäude auf dem Grundstück angeordnet werden müssen.

In der Wiener Bauordnung wird zwischen folgenden Bauweisen unterschieden:

- Offene Bauweise (o)
- Gekuppelte Bauweise (gk)
- offenen oder gekuppelten Bauweise (ogk)
- Gruppenbauweise (gr)
- Geschlossene Bauweise (g)

Bei der offenen Bauweise ist ein seitlicher Grenzabstand einzuhalten und es sind Mindestabstände zu den Bauplatzgrenzen zu berücksichtigen. Die offene Bauweise führt außerdem zu lockerer kleinteiliger Bebauungsstruktur mit Freiräumen.
Bei geschlossener Bauweise wird hingegen an die „seitlichen“ Grundgrenzen angebaut und es entsteht eine durchgehende Fassadenfront. Ein Beispiel für geschlossene Bauweise ist die Blockrandbebauung.

Da es in Österreich neun unterschiedliche Bauordnungen gibt, werden die Bauweisen auch unterschiedlich definiert und ausgelegt. Als Beispiel sei hier Niederösterreich erwähnt. In Niederösterreich ist zum Beispiel eine geschlossene Bebauung auch dann gegeben, wenn die Bebauung überwiegend an die seitlichen Grundstücksgrenzen anschließt. In der offenen Bauweise muss in Niederösterreich ein seitlicher Bauwich auch von Nebengebäuden freigehalten werden.

Die bauliche Ausnützbarkeit wird aber nicht nur durch die Bauweise festgelegt. Der Bebauungsplan kann auch die Dichte durch eine Prozentzahl oder eine flächenmäßige Beschränkung definieren. Somit kann festgehalten werden, dass die Bauweise nicht alleine für die Ausnützbarkeit auschlaggebend ist. Es müssen immer mehrere Aspekte betrachtet werden.

April 16, 2021 - Comments Off on 113 Fragen – Das Huss Hawlik ePaper zum Download – V2.0 -Ästhetik

113 Fragen – Das Huss Hawlik ePaper zum Download – V2.0 -Ästhetik

(Download)

113 Fragen und Antworten zum Thema Architektur - aufgeteilt in verschiedene Themenbereiche.
Unser ePaper gibt Einblick in Arbeits- und Denkweisen in unserem Unternehmen - und soll gleichzeitig Inspiration oder Denkanstoß sein! Unser zweites ePaper beschäftigt sich mit der "Ästhetik".

April 13, 2021 - Comments Off on Die Zukunft von Wohnen und Arbeiten

Die Zukunft von Wohnen und Arbeiten

Ein Jahr lang wurde diskutiert, evaluiert, nachgedacht und prognostiziert. Nun ist das Ergebnis des ÖGNI Arbeitskreises da - mit vielen wichtigen Statements zur Zukunft des Wohnens und Arbeitens.

Danke an die ÖGNI für die Initiative und an die Mitglieder unserer illustren Expert:innen-Runde:

Erich Benischek
Peter Engert
Evgeni Gerginski
Andreas Gnesda
Theresa Götz
Melanie Kloster
Gerhard Kopeinig
Sabine Müller
Matthias Nödl
Oliver Oszwald
Nadja Pröwer (AG Leiterin)
Florian Rode
Katharina Saxa (AG Leiterin)
Elisabeth Schmid-Schmidsfelden
Richard Teichmann
Peter Ulm
Doris Wirth
Peter Wirth