Archives for January 2021

January 16, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.3.

113 Architektur Fragen – Frage 2.3.

Ist Ästhetik universal oder regional? (Autor: Evgeni Gerginski)

Die Antwort ist: Beides!

Der Begriff an sich ist keine Konstante, sondern wird von der Geschichte geprägt und kulturell immer wieder anders ausgelegt. Ursprünglich kommt er – wie denn auch sonst – aus dem altgriechischen „aisthesis“, der mit „Empfindung“ oder „Wahrnehmung“ übersetzt werden kann und beschreibt die Lehre des sinnlichen Betrachtens. In anderen Kulturen, wie der fernöstlichen, hat sich seit dem Ende 19. Jhdt. der Begriff „bimyogaku“ etabliert was so viel bedeutet wie „Die Lehre des Schönen“. Es gibt damit einen klaren Unterschied in den Bedeutungen.

Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Schwerpunkte der Ästhetik je nach Kultur anders gesetzt werden. Im indischen Raum zählt Architektur, Musik und Poesie zu den Hauptkünsten, in Japan hingegen die buddhistische Welterfahrung. In China werden sogar Musiker mit Politikern gleichgesetzt.

Um Ästhetik zu verstehen und zu empfinden, ist das lose Betrachten zu wenig. Es sind somit Kenntnisse der jeweiligen Kultur unabdingbar. Der westliche Betrachter sucht in der Regel immer die Symmetrie und Ordnung, was in der chinesischen Kunst zwar vorhanden ist, aber erst durch Hintergrundwissen sichtbar wird.

Trotz der unterschiedlichen Sichtweisen auf das Schöne verbreitete sich zu Beginn des 20 Jhdt. der Internationalismus in der Architektur auf der ganzen Welt. Diese Strömung des klassischen Modernismus setzt sich über Landes- und Kulturgrenzen mit seinen funktionalen und minimalistischen Ansätzen durch. Somit kann gesagt werden, dass es Formen und Proportionen gibt, die im menschlichen Gehirn allgemein Reize auslösen, welche einer universellen Schönheit zugrunde liegen. Vermutlich trug die gestiegene Mobilität und somit das Bestreben nach einheitlichen Normen zu dieser Entwicklung bei.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik haben sich mit der Frage nach der universellen Schönheit näher beschäftigt und interessante Erkenntnisse im menschlichen Gehirn gewonnen: Die Areale darin, welche für die visuelle Verarbeitung verantwortlich sind, haben wenig Aktivitätsmuster gezeigt. Hingegen gab es beim sogenannten Default-Mode-Netzwerk (Region für Tagträumen, geistige Abschaltung, Analysen und Ruhezustand) überraschend ähnliche Aktivitätsmuster bei allen Probanden für die als schön empfundenen Bilder.

Wir sind auf die nächsten Forschungsergebnisse zur universellen Ästhetik gespannt!

January 14, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.2.

113 Architektur Fragen – Frage 2.2.

Was ist Ästhetik? (Autor: Armin Abdel-Kader)

Ästhetik ist ein allgemein geläufiger Begriff.

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Ästhetik mit wohlproportionierter, gefälliger, stilvoller Gestaltung gleichgesetzt.

In Kunst und Architektur entwickelte sich aus der Ästhetik, als umfassender Lehre vom sinnlich Wahrnehmbaren, das Konzept einer Lehre vom Schönen. Getrieben vom Versuch, das ästhetische Empfinden zu kategorisieren, in geometrisch konstruierten Proportionen zu fassen und es reproduzierbar zu machen. In Wechselwirkung mit neuen Technologien und Bauformen wandelte sich auch das ästhetische Empfinden.

Ästhetik kommuniziert dabei die stilistischen Vorstellungen einer Gesellschaft von der Art und Weise das Leben zu führen und wird zum Zeichen von Kultur und Kultiviertheit.

In der Architektur entwickelte sich daraus die Überzeugung, dass die ästhetische Gestaltung von Lebensräumen ein wesentlicher Beitrag zur Lebensqualität der Nutzer ist.

Die Ästhetik an und für sich bekommt damit eine Funktion zugeordnet.

Sorgfältig, umsichtig und wertschätzend gestaltete Lebensräume werden den Nutzer anregen, an der Freude, mit der die Gebäude und Freiräume gestaltet wurden, teilzuhaben.

Was gefällt und Freude bereitet, was man gerne und oft nutzen möchte, wird man auch pflegen um es zu bewahren.

Ästhetik schafft einen emotionalen Bezug und leistet damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Ästhetik macht den Unterschied zwischen "etwas nutzen sollen" und "etwas nutzen wollen".

January 11, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.1.

113 Architektur Fragen – Frage 2.1.

Was besagt der Goldene Schnitt? (Autorin: Krisztina Adamy)

Der Goldene Schnitt war bereits in der griechischen Antike bekannt und ist bei architektonischen Merkmalen wie zum Beispiel am Pantheon Tempel an der Akropolis in Athen zu beobachten. Mathematisch wird das Teilungsverhältnis einer Strecke als Goldener Schnitt bezeichnet, bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil gleich ist.

In der Natur findet sich die „göttliche Proportion“ wieder: Die spiralige Schale eines Schneckenhauses oder die Anordnung der Blätter einer Blume richten sich nach dem Goldenen Schnitt. Auch in der Kunst wird der Effekt der "perfekten" Proportion immer wieder bewusst angewendet. So findet sich dieser beispielsweise auch im wohl berühmtesten Gemälde der Welt - in der Mona Lisa.

Wie wird aber in der Architektur der modernen Zeit der goldene Schnitt angewendet?

Die Wirkung der Proportionen bei zum Beispiel einer Gebäudefassade auf den Beobachter sind unterschiedlich: Wenn die Verhältnisse der Elemente zueinander dem Goldenen Schnitt entsprechen, wirkt es für den Betrachter ruhig, schön und ästhetisch. Ist eine unruhige, bewusst spannende Wirkung angestrebt, werden die Verhältnisse spitziger geschaffen. Symmetrische, mittige Anordnung kann „zu ruhig“ oder in manchen Fällen sogar „langweilig“ wirken. Die Kombination all dieser Wirkungen bewirkt dann ein interessantes und lebendiges Fassadenbild.