Archives for November 2020

November 29, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.10

113 Architektur Fragen – Frage 1.10

HAT VORFERTIGUNG EINE CHANCE?

Diese Frage ist prinzipiell ganz einfach mit JA zu beantworten, da Vorfertigung heutzutage bereits wesentlicher Bestandteil des Planen und Bauens ist. Im Bauwesen reicht sie von kleineren Elementen wie Fertigschachtelementen der Haustechnik über Stiegenlauf-Fertigteile, Aufzugsschächte, vorgehängte Elemente wie Balkone über größere Module v.a. im Holzbau- oder Industriebau bis hin zu Komplettsystemen und dem Boom beim Einfamilienhausbau.

Die Vorfertigung ermöglicht eine automatisierte und witterungsunabhängige Produktion und führt zu höchsten Qualitätsstandards. Je höher der Vorfertigungsgrad, desto kürzer wird die Bauzeit; das Unfallrisiko auf der Baustelle sinkt und die Belastung an Staub- und Lärmemissionen für die Anrainer wird reduziert. All diese Vorteile führen zum wesentlichsten Faktor der Vorfertigung – der Kostenreduktion, welche durch die aktuell unaufhaltsam steigenden Baupreise, den rar gewordenen Baugrund und die explodierenden Grundstückspreise wichtiger denn je ist.

Wenn man sich auf vielen Baustellen umblickt, sieht man, dass, bis auf die bereits etablierten Hohlwandsysteme im Stahlbetonbau, relativ wenig vorgefertigte Elemente versetzt werden (ausgenommen Holzbauten). Denn ein hoher Vorfertigungsgrad in der Ausführungsphase hat seinen Ursprung bereits beim Entwurf. In diesem Stadium müssen seitens Architekt und Bauherr bereits alle notwendigen Entscheidungen (Baustoff, Ausstattung, äußeres Erscheinungsbild) getroffen werden, denn zu späte Entscheidungen oder Umplanungen führen zu kostenintensiven und aufwändigen Änderungen bis hin zu Terminverzug. Viele Bauherren möchten in der Ausführung möglichst flexibel bleiben um den Käufern während der Bauzeit noch den ein oder anderen Sonderwunsch genehmigen zu können. Dieser Vorteil für den Käufer bietet auch die Möglichkeit der individuellen Gestaltung der einzelnen Wohneinheiten im Gegensatz zur möglichen Monotonie.

Fazit: Je höher der Vorfertigungsgrad, desto wirtschaftlicher sind v.a. größere Projekte. Dazu benötigt man frühe Entscheidungen und einen gewissen Planungsvorlauf um vor Baubeginn die fertige Ausführungsplanung vorliegen zu haben.

November 27, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.9

113 Architektur Fragen – Frage 1.9

Baumaterial der Zukunft

Asbest ist schon längst verbannt und es gibt noch eine Reihe von Materialien, die eigentlich auch schon auf einer „roten Liste“ stehen sollten. Unsere Ressourcen sind knapp und nicht jeder Baustoff ist für die nachhaltige Errichtung von Gebäuden geeignet.

Vor allem mineralische und natürliche Baustoffe, die in der Produktion geringere Zementgehalte benötigen, haben genauso Zukunft wie solche, die einen kleinen CO2-Fußabdruck aufweisen. Natürlich ist die Wirtschaftlichkeit nach wie vor mitentscheidend – aber es geht primär darum, die Emissionen während der Lebensdauer und beim nachhaltigen Recycling so gering wie möglich zu halten.

Natürlich zählt Holz ebenfalls zu den Baustoffen der Zukunft. Holz ist vielseitig einsetzbar, hier ist allerdings auf die Herkunft zu achten – bei zu langen Transportwegen sieht die Öko-Bilanz oft schon weniger attraktiv aus.

Immer besser und immer häufiger verfügbar werden Recyclingbaustoffe, die aus Primärbaustoffen wie Beton oder Glas gewonnen werden. Allerdings ist hier noch viel Überzeugungsarbeit bei den Auftraggebern notwendig.

Im Sonnenschutz werden immer häufiger textile Baustoffe verwendet, die Transparenz und Beschattung im notwendigen Maß bieten und gleichzeitig in hohem Grad wiederverwertbar sind.

November 21, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.8

113 Architektur Fragen – Frage 1.8

Kommen Gebäude irgendwann aus dem 3D Drucker?

Es gibt heutzutage schon eine Vielzahl von Beispielen für Häuser, die mit 3D Druckern erzeugt worden sind. Diese sind hauptsächlich Prototypen von Start-up Unternehmen, die bereits jetzt durchaus überzeugende Resultate liefern. Die Anwendungsbereiche zeigen aufgrund der Flexibilität in der Form und schneller Bauzeit großes Potential: Flüchtlingsheime in Kriegsgebieten, Häuser in Entwicklungsgebieten oder  Unterkünfte für Obdachlose sind nur einige Beispiele der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.

Der große Vorteil ist, das aus dem Drucker nicht nur herkömmlicher Beton ausgespritzt werden kann sondern es gibt die Möglichkeit für die Verwendung von z.B. recycelten Industrie-oder Landwirtschaftsabfällen - ein klares, nachhaltiges Argument für diese Bauweise.

In Österreich braucht jedoch jeder Baustoff, der verwendet wird, ein Gütesiegel, und das Erwirken der Zulassungszertifikate ist in der nahen Zukunft leider nicht zu erwarten.

So schön die Idee ist, das Roboter selbst über Nacht Häuser errichten - die flächendeckende Umsetzung ist noch ein Stück entfernt. Die Technologie entwickelt sich zwar sehr schnell, es gibt aber für die Massenproduktion in Österreich noch viele Hürden zu nehmen.

November 20, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.7.

113 Architektur Fragen – Frage 1.7.

Wieso muss sich alles ändern, damit es so bleibt wie es ist?

Mal abgesehen von kleinen nervigen Krankheitserregern leben wir in der besten Zeit, die es je auf unserem Planeten gab: Wohlstand und Frieden sind so dauerhaft, wie noch nie in der Menschheitsgeschichte und unsere Heimatstadt wird regelmäßig zu den lebenswertesten der Welt gezählt. Man könnte sich einfach nur wünschen, dass alles so bleibt wie es ist.

Doch Vorsicht! Man läuft hier Gefahr, einem Trugschluss aufzusitzen. Wenn wir wirklich erreichen wollen, dass das, was wir so sehr wertschätzen, so bleibt wie es ist, dann müssen wir uns dennoch laufend ändern und aktiv daran arbeiten, dass uns diese Werte und Schätze erhalten bleiben.

Einfach hinsetzen und den Sonnenuntergang ansehen, das reicht nicht aus. Denn Stillstand bedeutet Rückschritt und mit jeder Pause, die wir machen, geht ein Stück vom Glück verloren. Warum? Die Welt dreht sich und verändert sich laufend und in diesem veränderlichen System müssen wir aktiv sein, damit uns das, was wir lieben, erhalten bleibt.

Unsere Natur können wir nur erhalten, wenn wir uns täglich in Richtung Nachhaltigkeit weiterentwickeln. Unseren Wohlstand können wir nur erhalten, in dem wir zum Beispiel über Entwicklungshilfe nachdenken. Und unser sozialer Frieden ist dem laufenden Dialog aller Beteiligten geschuldet.

Auch in unserer Arbeitswelt dürfen wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Damit wir auch in Zukunft eines der führenden Architekturbüros bleiben, entwickeln wir uns in Sachen Knowhow und Technologie laufend weiter. Und mit jedem unserer Projekte gestalten wir die Zukunft. Mit der Zeit zu gehen, reicht da nicht aus, man muss vorausdenken und auf die Zukunft vorbereitet sein.

Wie schon Abraham Lincoln sagte: “The best way to predict your future is to create it.”

November 14, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.6.

113 Architektur Fragen – Frage 1.6.

Eine Frage die sich mit zwei Gegensätzen beschäftig und diese zu vereinen versucht.

Auf der einen Seite haben wir Immobilien und Bauwerke an sich, die in ihrer Konstitution eher träge und starr sind. Dem gegenüber steht Wohnraum als Lebensraum, welcher einem ständigen Wandel unterliegt und sich an die jeweilige Lebenssituation seiner Bewohner und Nutzer anpasst.

Flexibilität ist anders.

Das manifestierte Bild einer Wohnung als standardisierter Typ und Zuhause einer Kleinfamilie ist nicht mehr zeitgemäß.

Stattdessen gibt es heute eine Vielfalt an unterschiedlichen Familien- und Haushaltsformen. Wohngemeinschaften, Single-Wohnungen, Patchworkfamilien, Wohnformen für SeniorInnen, eine Vernetzung von Wohnen und Arbeit verändern den Anspruch an Wohnräume.

Um auf diese Ansprüche reagieren zu können braucht es Flexibilität.

Flexibilität ist mehr.

Der altbekannte Gedanke, welcher mit Flexibilität in der Architektur verbunden wird, konzentriert sich auf die Installation flexibler Wand- oder Schiebeelemente, durch die Grundrisse mit geringem baulichem Aufwand verändert werden können.

Aber auch eine Umstrukturierung der klassischen Raumnutzungen in private, halböffentliche und öffentliche Raumzonen kann eine Flexibilität innerhalb einer Wohneinheit mit sich bringen, welche sich jedoch auch über die einzelne Wohnung hinaus in die Gemeinschaftsbereiche des Hauses erstrecken kann.

Losgelöst von der Einteilung in Wohnzimmer, Schlafzimmer und Kinderzimmer, die sich auch in der Größe der Räume niederschlägt, muss Wohnraum immer mehr so ausgestaltet sein, dass er multifunktionale Nutzungen von Räumen zulässt.

Bei der Architektur und Wohnraumschaffung sollten daher nicht nur einzelne funktionale Gebrauchsmuster wie Schlafen, Essen oder Aufenthalt im Vordergrund stehen.

Aufgrund unserer jetzigen Situation mit der Covid 19-Pandemie, aber auch wegen vermehrter Digitalisierung im Heimbereich entstehen neue Formen des Homeoffice und der Telearbeit. Immer mehr Menschen verrichten zumindest einen Teil ihrer Arbeit, sei es notgedrungen oder freiwillig, von zuhause aus.

Es bedarf also entsprechender räumlicher Voraussetzungen, um auch den Spagat zwischen leben und arbeiten an einem Ort zu bewerkstelligen.

Flexibilität ist Zukunft.

Die heutige Zeit ist aufgrund neuer oder rasch wechselnder Lebensstile und -Entwürfe von veränderten Platzbedürfnissen geprägt.

Flexibilität wird daher auch zur Grundlage für Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit, denn eine Wohnung bzw. Wohnraum kann nur dann nachhaltig genutzt werden und Wert behalten, wenn die Architektur so flexibel ist, dass sie sich an die Veränderung der Lebensumstände und die Bedürfnisse der Bewohner anpassen kann.

November 8, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.5.

113 Architektur Fragen – Frage 1.5.

Hat der tägliche Weg zum Arbeitsplatz ausgedient?

Zugegeben, nicht jeder wird derzeit mit dieser Frage konfrontiert sein. Aber spätestens seit den verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde klar, dass auch in der Arbeitswelt kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Was sich vor der Krise langsam abzeichnete wird schnell zum Standard.

Der Transfer des Arbeitsplatzes nach Hause, in den Park, ins Auto oder an den Strand erhielt nun einen turbo-boost. IT-Firmen ebenso. Jeder muss plötzlich in Technologie investiere, ob er will oder nicht. Die Zukunft ist da, von einem Augenblick zum anderen!

Viele, vor allem große Unternehmen, haben die Vorteile für sich erkannt und lassen ihre Mitarbeiter nun noch mehr von auswärts arbeiten oder verlagern gleich ganze Abteilungen in Länder mit günstigen Lohnnebenkosten. Digitalisierung macht es möglich. ,

Die Großraumbüros werden derzeit überdacht und neuartige Konzepte entwickelt, die sich eher auf Einzelbüros, Besprechungsräume und Räumlichkeiten zu Stärkung der Identifikation mit dem Unternehmen fokussieren, um so Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch auf Distanz zu schaffen. 

Spannend ist dabei die Auseinandersetzung mit der Nachnutzung freiwerdender Büroflächen in den nächsten Jahren. Das wird in vielerlei Hinsicht die Städte verändern. Vielleicht ist das aber auch eine Chance für die in der Zwischenzeit vielerorts entstandenen reinen Schlafstädte – hier wird Leben auch tagsüber eingehaucht und Diversität geschaffen.

Das Arbeiten in der eigenen Wohnung stellt viele vor großen Herausforderungen, was den dafür notwendigen Arbeitsraum und dessen Leistbarkeit betrifft. Hier sind Architekten mit den Bauherren gemeinsam gefordert, den Wohnraum arbeitsfit und gleichzeitig leistbar zu gestalten. Schiebewände, Schiebetüren und faltbare bzw.  flexibel einsetzbare Möbel sind vielleicht Antworten auf das Arbeiten in der eigenen Wohnung. Außerhalb können zumietbare Mini-Büros im eigenen Haus die Lösung sein. 

Auf jeden Fall wird der Spagat zwischen physical distancing ohne social distancing und die damit verbundene Gefahr der Zersprengung der Gesellschaft kein einfacher werden.