August 1, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.9

113 Architektur Fragen – Frage 4.9

Was sind freie Berufe? (Autor: Andreas Hawlik)

Freie Berufe sind jene Berufe, die aufgrund einer besonderen Qualifikation ausgeübt werden, jedoch nicht dem Gewerberecht unterliegen. Als „frei“ bezeichnet man diese, weil sie keiner Gewerbeordnung unterliegen, sondern eigenen Standesgesetzen.

Angehörige freier Berufe erbringen ihre Leistung persönlich, eigenverantwortlich und fachlich unabhängig. Sie erbringen geistige Leistungen nicht nur im Interesse ihrer Auftraggeber, sondern auch im Interesse der Allgemeinheit.

In einer funktionierenden Zivilgesellschaft nehmen sie eine bedeutsame gesellschaftspolitische Rolle ein, da sie befugt sind, ausgelagerte öffentliche Tätigkeiten zu erbringen. Im Falle der Ziviltechniker ist dies zB. die Beurkundung. Freie Berufe sind mit öffentlichem Glauben versehen, Kraft ihres Gelöbnisses benötigen Sie beispielsweise in vielen Fällen keine schriftlichen Vollmachten Ihrer Auftraggeber, sondern dürfen sie sich auf eine mündlich erteilte Vollmacht berufen.

Freie Berufe sind entweder in Kammern oder Berufsverbänden organisiert. Nachteilig ist, dass sich eine kleine berufsvertretende Kammer nur schwer gegen Änderungen ihres Standesgesetzes wehren kann, das vom Parlament beschlossen wird. Dieses Problem der aktuellen Novelle des Ziviltechnikergesetzes birgt die Gefahr, dass die unabhängige Befugnis zur Ausstellung von Urkunden untergraben werden könnte. Als Ziviltechniker sind wir strikt von den ausführenden Unternehmen getrennt, vertreten als „technische Anwälte“ nur unseren Auftraggeber. Durch das neue Ziviltechnikergesetz könnte diese wichtige Trennung aufgeweicht werden.

Für uns Ziviltechniker bedeutet die „Freiheit“ aber auch eine besondere Verantwortung. Denn was wir aufgrund unserer Qualifikation schaffen, hat nicht nur Interesse für die Allgemeinheit, sondern auch Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Dieser Verantwortung müssen wir uns bei unserem Handeln täglich bewusst sein.

July 22, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.8

113 Architektur Fragen – Frage 4.8

Wieso ist die Unabhängigkeit der Ziviltechniker*innen wichtig?                                (Autor: Amin Abdel-Kader)

 

Die Forderung nach der Unabhängigkeit von Ziviltechniker*innen ist im Ziviltechnikergesetz (ZTG) verankert und hängt ursächlich mit der Befugnis zur Ausstellung öffentlicher Urkunden zusammen. Da die Behörde der Beurkundung durch Architekt*innen den gleichen Stellenwert beimisst, wie der eigenen Begutachtung von Unterlagen, muss mögliche Befangenheit ausgeschlossen werden.

ZTG § 12. (2) „Die Ziviltechniker*innen dürfen Beurkundungen nicht vornehmen ... bei Vorliegen von Gründen, die geeignet sind, ihre volle Unbefangenheit in Zweifel zu ziehen."

Mit der Beglaubigung von Einreichunterlagen bestätigt Architekt*innen, dass diese den anzuwendenden Gesetzen entsprechen und leisten somit auch einen entscheidenden Beitrag zur zügigen Abwicklung des Genehmigungsverfahrens.

Über die Beurkundungstätigkeit hinaus besteht auch die Forderung nach der wirtschaftlich unabhängigen Betrachtung im Bauprozess.

Darauf beruht die Bestimmung, dass Ziviltechniker*innen im Rahmen ihrer Fachgebiete zu keinen ausführenden Tätigkeiten berechtigt sind und dass die Ausübung eines Gewerbes, das auch zum Befugnisumfang von Ziviltechniker*innen gehört, mit der Ausübung der Befugnis unvereinbar ist.

So wird gewährleistet, dass es bei Ausschreibungen und Vergaben von Bauaufträgen zu keinerlei Interessenskonflikten kommt. Außerdem wäre, ohne Trennung von Planung und Ausführung, keine unabhängige örtliche Bauaufsicht möglich.

Gemäß ZTG sind Architekt*innen, neben ihren planerischen Tätigkeiten und der berufsmäßigen Vertretung vor Behörden und Körperschaften öffentlichen Rechts, zur organisatorischen und kommerziellen Abwicklung von Projekten, berechtigt.

Somit stehen Architekt*innen, als unabhängigen Berater*innen für alle Fragen zu Bauvorhaben und deren Realisierung, ohne Einschränkung im Dienst ihrer Kund*innen. Und gewährleisten ihren Auftraggeber*innen eine unvoreingenommene, koordinierende und prüfende Interessensvertretung, sowohl vor Behörden, wie gegenüber den ausführenden Firmen.

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass der Nationalrat, in überschießender Interpretation eines EuGH-Urteils, das Ziviltechnikergesetz novelliert hat und durch die uneingeschränkte Legitimierung der Beteiligung Berufsfremder an Ziviltechnikergesellschaften, die zuvor beschriebe Unabhängigkeit des Stands der Ziviltechniker*innen in Gefahr bringt.

July 16, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.7

113 Architektur Fragen – Frage 4.7

Welche Vorteile hat ein Generalplaner?  (Autor: Georg Denninger)

Die Beauftragung eines Generalplaners (GP) bringt für einen Bauherren viele Vorteile mit sich, ähnlich eines Generalunternehmers in der Ausführungsphase. Der Generalplaner ist einziger Vertragspartner des Auftraggebers und übernimmt die komplette Planungsleistung, von Architektur bis zu den jeweiligen Fachplanern. Außerdem übernimmt er die komplette Verantwortung, auch rechtlich.

Unter anderem bringt ein Generalplaner für den Auftraggeber folgende Vorteile:

  • Für den Auftraggeber gibt es nur einen Ansprechpartner, bei welchem auch sämtliche Haftungen und Risiken liegen. Durch die Vergabe an einen Generalplaner sind auch Lücken, welche bei Einzelvergaben entstehen können, da diese nur die im Leistungsbild enthaltenen Leistungen erfüllen müssen, nahezu ausgeschlossen. Das kommt daher, weil im GP-Auftrag die gesamte Planungsleistung abgedeckt ist.

 

  • Die Übergabe der Planungskoordination an den Generalplaner bringt dem Auftraggeber einen geringeren Ressourcenbedarf, da der Zeitaufwand für Einzelvergaben und diverse Abstimmungen auf ein Minimum reduziert werden. Der GP übernimmt die Steuerung und Koordination sowie Integration der Fachplaner.

 

  • Der Generalplaner kann meist auf ein eingespieltes Team zurückgreifen, da die Beauftragung sämtlicher Subunternehmer/Fachplaner bei ihm liegt. Durch die freie Wahl der Fachplaner und somit der Zusammenstellung des gesamten Teams ist in sämtlichen Projektstadien ein reibungsloser Ablauf gewährleistet.

Welche Fachplaner u.a. im Generalplanerauftrag enthalten sein können und bis zur Genehmigung eines Projektes erforderlich sind lesen Sie in unserer Frage 4.4.

Als Architekturbüro stehen wir unseren Auftraggebern sehr gerne bei der Verwirklichung Ihrer Projekte als Generalplaner zur Verfügung. Gemeinsam mit unseren Bauherren können wir unsere Vision - Bessere Lebensräume - zu erschaffen umsetzen.

July 7, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.6

113 Architektur Fragen – Frage 4.6

Wie ist die Kammer der Ziviltechniker*innen organisiert? (Autorin: Karin Rezar)

Die Kammern der Ziviltechniker*innen sind die gesetzlichen Berufsvertretungen, der staatlich befugten und beeideten Ziviltechniker*innen, zu denen neben den Architekten auch die Ingenieurkonsulenten zählen. Sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und ihre Rechtsgrundlage bildet das Ziviltechnikergesetz, derzeit das ZTG 2019.

Neben der Bundeskammer, welche ihren Sitz in Wien hat, gibt es vier Länderkammern:

  • Wien, Niederösterreich und Burgenland mit Sitz in Wien
  • Steiermark und Kärnten mit Sitz in Graz
  • Oberösterreich und Salzburg mit Sitz in Linz
  • Tirol und Vorarlberg mit Sitz in Innsbruck

Alle vier Länderkammern sind Mitglieder der Bundeskammer, deren Wirkungsbereich sich auf das ganze Bundesgebiet erstreckt. Sie beschäftigt sich mit Angelegenheiten, welche die gemeinsamen Interessen der Mitglieder von zwei oder mehreren Länderkammern berühren. Dazu zählen beispielsweise Einrichtungen zur Krankenvorsorge der Kammermitglieder, der Erlass von Standesregeln oder Leistungsbildern sowie das Führen eines Urkundenarchivs.

Die Länderkammern gliedern sich jeweils in zwei Sektionen. In die Sektion der Architekten auf der einen Seite und in die Sektion der Ingenieurkonsulenten auf der anderen.

Innerhalb ihres örtlichen Wirkungsbereichs sind sie dazu berufen, die beruflichen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Ziviltechniker*innen wahrzunehmen und zu fördern. Schlichtungen, die fachliche Weiterbildung in Form von Seminaren sowie angehende Ziviltechniker*innen auf den Berufsantritt vorzubereiten oder das Führen des Ziviltechikerverzeichnisses sind nur ein Teil der Leistungen.

Neben der Interessensvertretung sorgen sie auch für die Wahrung des Standesansehens sowie für die Erfüllung der Berufspflichten.

Die Vertretung erfolgt durch gewählte, ehrenamtlich tätige Berufsvertreter.

Sowohl die Bundes-, als auch die Länderkammern setzen sich nicht nur für die oben beschriebenen wichtigen Unterstützungsmaßnahmen ein, sondern bewahren auch die Unabhängigkeit der Ziviltechniker*innen, welche zuletzt durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, mit welchem eine Aufweichung des Standesrechts verbunden gewesen wäre, ein. Durch dieses Engagement wird die Höhe Qualität, für die die Arbeit der Ziviltechniker*innen steht, entscheidend gewahrt.

June 30, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.5

113 Architektur Fragen – Frage 4.5

Was bedeutet staatlich befugt und beeidigt? (Autor: Amin Abdel-Kader)

Architekt und Architektin sind in Österreich geschützte Berufsbezeichnungen und gehören zur Berufsgruppe der Ziviltechniker*innen. Das Führen dieser Titel und die Ausübung dieser Tätigkeiten sind nur mit staatlich verliehener Befugnis zulässig.

Nach Ausbildung und Praxis erbringen die Aspiranten im Rahmen einer Prüfung den Nachweis, dass sie die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse zur gesetzeskonformen Ausübung des Berufs erworben haben.

Ziviltechniker*innen werden neben der Befugnis zur Berufsausübung mit „öffentlichem Glauben“ versehen. Damit ist gemeint, dass von ihnen im Rahmen ihrer Befugnis ausgestellte öffentliche Urkunden von den Verwaltungsbehörden in derselben Weise angesehen werden, wie Urkunden, die von Behörden ausgefertigt werden.

Aus dem entgegengebrachten Vertrauen leitet sich ab, dass die Anwärter*innen im Zuge der Verleihung der Befugnis, ähnlich der Beamtenschaft, vereidigt werden.

Gemäß ZTG § 11. (1) lautet der Eid:

„Ich schwöre, dass ich die Gesetze und die für meinen Wirkungskreis gültigen Vorschriften einhalten, die Pflichten meines Berufes gewissenhaft erfüllen, die gebotene Verpflichtung zur Verschwiegenheit streng beobachten und die mir anvertrauten Angelegenheiten nach bestem Wissen und Gewissen besorgen werde.“

Das Bundesministerium delegiert die Vereidigung in der Regel an die Länder, und so wird der Eid meist in Anwesenheit des Landesbaudirektors gesprochen.

June 23, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.4

113 Architektur Fragen – Frage 4.4

Welche Fachplaner sind für die Erstellung eines Einreichplanes erforderlich?       (Autor: Johann Peck)

Geometer / ZT für Vermessung: Durchführung von grundbücherlichen Leistungen, Umwidmungen und Zusammenlegungen von Grundstücken, Vermessung von Grundstückgrenzen, Erstellen von Lage- und Höhenplänen, Erhebung von Einbauten im öffentlichen Grund und Aufschlussleitungen für Grundstücke.

Statiker / ZT für Bauingenieurwesen: Erstellung von Tragwerkkonstruktionen und Fundierungen, Ausarbeiten einer statischen Vorbemessung, Berechnung und Ausarbeitung von Konzepten für Baugrubensicherungen

Geotechniker / Hydrologe: Erkundung der Baugrund- und Grundwasserverhältnisse, Ermittlung der Grundlagen für die statische Tragkonstruktion, Ausarbeitung von Konzepten für Versickerungen von Regenwässer

Bauphysiker: Erstellung einer bauphysikalischen Untersuchung, Ausarbeiten von Energieausweisen, Festlegung eines Baustoffkataloges

Haustechnikplaner: Ausarbeitung von wirtschaftlichen Heiz- und Kühlsystemen auf Basis der möglichen/vorhandenen Energieversorger

Ziviltechnische Büro für Umwelttechnik (Bedarf projektabhängig): Ausarbeitung von Schall- und Lufttechnischen Gutachten, basierend auf vorliegende Messungen von Schallimmissionen der in Einflussbereich liegenden Umgebung, Ermittlung der Schadstoff-und Staubemissionen sowie deren Quellen

Verkehrsplaner (Bedarf projektabhängig): Ausarbeitung eines Verkehrskonzeptes, planliche Festlegung von Außenanlagen aus Basis der zu erwartenden Verkehrsteilnehmer

Elektrotechnik (Bedarf projektabhängig): Ausarbeitung und Abklärung mit dem elektrischen Energieversorger über den Bedarf der Stromversorgung

SV-Büro für Rodungen (Bedarf projektabhängig): Ausarbeiten eines Rodungskonzeptes und Erstellen von Rodungsansuchen

June 21, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.3

113 Architektur Fragen – Frage 4.3

 Seit wann gibt es Architekten? (Autorin: Krisztina Adamy)

Im Laufe der Geschichte hat sich der Beruf des Architekten und die damit verbundenen Aufgaben und Verantwortungsbereiche mehrfach gewandelt und definiert. Die ersten Architekten waren auch Baumeister und für die Gestaltung und das Errichten der Bauwerke ganzheitlich verantwortlich. In der antiken Ära kümmerten sie sich sowohl um die Gestaltung als auch um die Statik und beaufsichtigten den Bauablauf. Damals waren Architekten Künstler und Ingenieure zugleich und die Aufträge haben sich vorerst auf Sakral- und Monumental-Bauten beschränkt. Um ca. 2600 v.Chr., in ägyptischer Zeit war Imhotep der oberste Baumeister der ägyptischen Pyramiden, der erste namentlich überlieferte Architekt der Menschheitsgeschichte. Im antiken Griechenland werden Kallikrates und Iktinos mit dem Bau des Parthenon auf der Akropolis in Athen in Zusammenhang gebracht. Im 1. Jahrhundert v. Chr. publiziert Vitruv, ein römischer Architekt, Ingenieur und Architekturtheoretiker, die weltberühmt gewordene „De architectura libri decem“, die zehn Bücher über Architektur, eine umfassende Darstellung der Architektur sowie des damaligen Kenntnisstands des Bauingenieurwesens.

Im Mittelalter wurde der Beruf des Architekten unbekannt, es gab nur Handwerker, die ihr oft geheimgehaltenes Wissen von Meister zu Geselle und Lehrling weitergaben. Erst in der Renaissance, in der Zeit, in der die Antike wiederentdeckt und wieder zum Leben erweckt wurde, hat der Beruf erneut an Bedeutung gewonnen. Später, durch die Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert, hat sich der Beruf wiederum wesentlich verändert.

Neben den oben genannten öffentlichen Bauaufgaben kamen nun private Auftraggeber hinzu. Das Gebäude (Wohnhaus, Stadthaus, Fabrik) wurde zum Statussymbol der bürgerlichen Eliten.

Wegen des technischen, ökonomischen und sozialen Fortschritts gab es für die am Bau Beteiligten neue Herausforderungen. Diese Änderungen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Aufgaben der Architekten wurden auf unterschiedliche Disziplinen aufgeteilt, wie unter anderem Statik, Bauphysik und Gebäudetechnik. Selbst aus dem engeren Berufsfeld der Architekten sind mehrere Fachdisziplinen wie Städtebau, Landschaftsarchitektur oder Innenarchitektur entstanden.

June 17, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.2

113 Architektur Fragen – Frage 4.2

Wie werde ich Ziviltechniker? (Autor: Georg Denninger)

Der Begriff Ziviltechniker umfasst die Berufe Architekt und Ingenieurkonsulent. Sie sind aufgrund einer staatlich verliehenen Befugnis auf ingenieurwissenschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Fachgebieten freiberuflich tätig.

Um zur Ziviltechniker-Prüfung zugelassen zu werden, muss ein einschlägiger Universitäts- bzw. Fachhochschul-Studiengang mit Masterabschluss absolviert werden (zB: Diplomstudium einer technischen oder naturwissenschaftlichen oder montanistischen Studienrichtung). Die genauen Verleihungs- & Zulassungsvoraussetzungen sind im Ziviltechnikergesetz 2019 ausführlich beschrieben.

Nach dem Studienabschluss sind 3 Jahre Praxiserfahrung zu sammeln, wovon mind. 1 Jahr bei Absolventen der Studienrichtung Architektur auf praktische Betätigung auf Baustellen und bei Absolventen des Vermessungswesens auf Grenzvermessung, Zu- und Abschreibungen entfallen muss. Kann man diese Praxiszeit durch entsprechende Zeugnisse und Unterlagen nachweisen, kann man bei der Kammer im Bundesland des Wohnsitzes um Ansuchen zur Zulassung zur Ziviltechnikerprüfung stellen.

 

Für den Fall, dass man an einer ausländischen Hochschule studiert hat, bedarf es einer Nostrifizierung; sonstige Befähigungsnachweise sind ebenfalls anerkennen zu lassen.

Bei der Prüfung des Ansuchens wird neben den bereits erwähnten erforderlichen Befähigungsnachweisen auch geprüft, ob Ausschlussgründe wie zB. anhängiger Konkurs, Insolvenzeröffnung, fehlende erforderliche Zuverlässigkeit, vorliegen.

Nach positiver Prüfung bekommt man einen Bescheid über die Zulassung zur Ziviltechnikerprüfung. Die mündlich abgehaltene Prüfung umfasst für Architekten 4 Gegenstände:

  1. Österreichisches Verwaltungsrecht
  2. Betriebswirtschaftslehre
  3. Rechtliche und fachliche Vorschriften für das Fachgebiet
  4. Berufs- und Standesrecht.

Bewerber zur Befugnis eines Ingenieurkonsulenten für Vermessungswesen müssen zusätzlich noch ihre Kenntnisse in weiteren Prüfungsgegenständen nachweisen. Im Falle von positiv abgelegten Prüfungen von 1, 2 und 4 während des Studiums können diese angerechnet werden, sofern diese nicht länger als 10 Jahre her sind. Die Prüfung kann maximal zweimal wiederholt werden.

Zur Vorbereitung auf die Prüfung bietet die Kammer zweimal jährlich einen zweiwöchigen Vorbereitungskurs an.

 

Nach erfolgreich abgelegter ZT-Prüfung kann man dann den Befugnisantrag beim zuständigen Ministerium (BM für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort) stellen. Diesem wird mittels Bescheid entsprochen. Danach fehlt nur noch die Ablegung des Berufseides vor dem/der jeweiligen Landeshauptmann/frau um selbstständig als Ziviltechniker tätig werden zu können. Für den Fall, dass man dies nicht möchte, gibt es die Möglichkeit, die Befugnis bei der jeweiligen Kammer ruhend zu stellen.

June 10, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 4.1

113 Architektur Fragen – Frage 4.1

Warum brauche ich einen Architekten? (Autor: Evgeni Gerginski)

Es gibt zwei unterschiedliche Möglichkeiten, wie diese Frage beantwortet werden kann. Einerseits rein aus dem Baurecht und der Notwendigkeit heraus und andererseits mit dem Mehrwert, den ein Architekt gegenüber anderen Planungsbefugten mit sich bringt.

Im Baurecht findet sich oft der Begriff des Planverfassers wieder. Dieser ist berechtigt die erforderlichen Einreichpläne und Dokumente für das Baubewilligungsverfahrens zu erstellen und unterfertigen. Somit aber auch für deren Richtigkeit zu haften. Dies bezieht sich zum Beispiel auf die Einhaltung der Bauvorschriften zu Lage, Größe, Brandschutz, Hygiene und Barrierefreiheit des künftigen Gebäudes, aber auch u.a. von Arbeitsstättenrichtlinien, Veranstaltungsgesetz, Garagengesetz, usw.

Planverfasser generell dürfen entweder Baumeister oder Ziviltechniker (Architekten oder Zivilingenieure) sein. Die Befugnisse zwischen beiden Gruppen unterscheiden sich jedoch enorm. So darf der Baumeister zwar auch ausführen, Architekten hingegen dürfen große öffentliche Bauten planen, die vom künstlerischen, kulturellen und sozialen Standpunkt von Bedeutung sind. Auch sind Architekten berechtigt, Gutachten und Urkunden (Ortsbild, Bestandspläne, Fertigstellungen, Baufortschrittsbestätigungen, etc) in ihrem Fachgebiet auszustellen.

Einer der wesentlichen Vorteile bei der Beauftragung eines Architekten ist die Tatsache, dass er als Dienstleister kein Interesse an der günstigsten Ausführung hat, sondern an der besten. Somit kann sich der Bauherr darauf verlassen, dass der Architekt stets seine Interessen wahren wird.

Jedes Projekt an sich ist ein Unikat, da es auf seine Umgebung reagiert und den besonderen Vorstellungen seiner Nutzer gerecht werden will. Architekten setzen sich bei Ihren Projekten Kraft ihrer Ausbildung kreativ, wissenschaftlich, sozial und künstlerisch auseinander. Es können einzigartige anstelle von Standardlösungen für die Gebäude erarbeitet werden bzw. maßgeschneiderte Lösungen entstehen. Die interdisziplinäre Herangehensweise ermöglicht auch, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und zukunftsweisende Gesamtlösungen anzubieten.

 

Die gute und vergleichsweise geringe Investition in die Planung am Anfang spart später viel Geld in der Ausführung!

June 3, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.13

113 Architektur Fragen – Frage 3.13

Frage: Darf ich meine Wohnung / mein Haus umbauen wie ich möchte?

(Autor: Amin Abdel-Kader)

Die Vorstellung, dass ich über mein Eigentum verfügen kann wie ich will, trifft in Gemeinschaften selten zu.

Wie in den vorigen Kapiteln dieser Reihe ausführlich dargestellt, sind nur jene baulichen Maßnahmen, die sich innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen bewegen und gemäß den Vorschriften der Behörde zur Kenntnis gebracht werden, zulässig.                                       Auch alle Umbauarbeiten müssen nach den geltenden Gesetzen und Richtlinien geplant und ausgeführt werden.

So sind Fragen der widmungsgerechten Nutzung, innerhalb der zulässigen Ausnutzung der Bebaubarkeit und den Anliegen des Stadtbilds und Verkehrs zu klären.

Bei Umbauten kommen besonders Fragen der Standsicherheit, des Brandschutzes, der Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit, des Schallschutzes, sowie Hygiene, Gesundheit, Umweltschutz und Energieeffizienz zu tragen – also die OIB-Richtlinien.

Bei Wohnungseigentumsobjekten ist unter Berücksichtigung des Privatrechts für alle Änderungen, die allgemeine Teile des Hauses betreffen – und das sind z.B. auch die Fenster – das Einvernehmen mit den Miteigentümer*innen herzustellen.

Die Anrainer erlangen nur bei einer Vergrößerung des Volumens oder der Aufstellung von lärmenden Klimaanlagen ein Mitspracherecht.

Also, wenn man/frau will was er/sie darf, steht der Erfüllung ihrer Wünsche nichts im Weg.