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March 30, 2021 - Comments Off on eins und eins ist drei – Jean-Erich Treu – Michael Pitsch – Pertoldsdorf

eins und eins ist drei – Jean-Erich Treu – Michael Pitsch – Pertoldsdorf

Wir leben "eins und eins ist drei". Gemeinsam mit unseren Kunden schaffen wir Bauwerke, die den Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt rücken. Dabei ist uns die Zusammenarbeit mit unseren Auftraggebern auf Augenhöhe und in konstruktivem Miteinander besonders wichtig. Mit Jean Erich Treu (Cobra Immobilien) wird ein Wohnbau mit 2 Stiegen und insgesamt 10 Wohnungen umgesetzt.

Michael Pitsch: Jean-Erich Treu schätze ich als Bauherrn mit viel Erfahrung, der genau weiß, was er will - sich aber auch von Experten beraten lässt.

Jean-Erich Treu: Ich habe schon viel gebaut in meinem Leben und kanns sagen, dass Huss Hawlik in der Planung sehr gute Arbeit leistet. Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend, besonders Herrn Pitsch habe ich in mein Herz geschlossen.

March 25, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.6.

113 Architektur Fragen – Frage 3.6.

Welche baulichen Änderungen darf ich ohne Genehmigung durchführen? (Autorin: Karin Rezar)

Wir haben in Österreich 9 verschiedene Bauordnungen, wodurch es dementsprechend Unterschiede in der Reglementierung von baulichen Änderungen bzw. Abänderungen gibt. Aus diesem Grund ist die Begrifflichkeit „bauliche Änderung“ mit Vorsicht zu betrachten.

Im Sinne der Wiener Bauordnung sind bauliche Änderungen bei den bewilligungspflichtigen Bauvorhaben einzugliedern. Hierzu zählen alle Änderungen oder Instandsetzungen von Bauwerken, die unter anderem einen Einfluss auf die Festigkeit, die Feuersicherheit oder Nachbarrechte haben oder das äußere Aussehen, die Raumeinteilung oder Raumwidmung ändern. Beispielsweise zählen hierzu die Änderung von Fensteröffnungen oder der Anbau von Balkonen.

Sofern die Änderungen keine wesentliche äußere Umgestaltung des Gebäudes mit sich bringen, oder nicht die Umwidmung von Wohnungen und die Schaffung von Stellplätzen betreffen, reicht auch die Bewilligung im Zuge einer Bauanzeige.

Was darf man also an einem bestehenden Gebäude ohne Genehmigung verändern?

Wenn man die zuvor genannten bewilligungspflichtigen Änderungen betrachtet, nicht allzu viel. Werden beispielsweise im Inneren eines Gebäudes Räume so verändert, dass tragende Wände abgebrochen oder verändert werden müssen, so müssen diese Änderungen bewilligt werden. Sofern durch diese Veränderung der Räume nicht mehr Fläche und somit keine Änderung der Stellplatzverpflichtung entsteht, ist eine Bauanzeige ausreichend. Bewilligungsfrei wären solche Änderungen im Inneren des Gebäudes nur dann, wenn sie die reine Instandhaltung eines Raumes betreffen würden, wie zum Beispiel bei der Renovierung eines Badezimmers.

Umgelegt auf das äußere Erscheinungsbild eines Gebäudes kann man die Möglichkeiten und die damit verbundenen baurechtlichen Maßnahmen am Beispiel eines Fensters erklären. Will man die Fenster eines Gebäudes ersetzen und ändert damit auch die Größe oder das Aussehen (Farbe, Sprossen und dgl.), so handelt es sich um eine bauliche Änderung, welche bewilligungspflichtig ist. Tauscht jedoch beispielsweise im Zuge einer Sanierung, bei einem Gebäude nur die Fenster mit neuen Fenstern, mit gleichem Erscheinungsbild aus, so kann man dies auch ohne Genehmigung machen.

So gesehen darf man ohne Genehmigung nur Änderungen an Gebäuden oder Gebäudeteilen vornehmen, die als „oberflächliche Instandhaltung“ anzusehen sind und das äußere Erscheinungsbild nicht verändern.

March 22, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.5.

113 Architektur Fragen – Frage 3.5.

Was ist der Bebauungsplan und wozu dient er? (Autor: Georg Denninger)

Der Bebauungsplan wird auf Grundlage des örtlichen Raumordnungsprogramms sowie des Flächenwidmungsplans auf Gemeindeebene erlassen und vom Land als Aufsichtsbehörde geprüft.  Er definiert die Bebauungsvorschriften, nach denen das Bauland zukünftig bebaut werden soll, um eine harmonische Siedlungsstruktur und ein ansprechendes Ortsbild zu schaffen, sowie die raumplanerisch festgelegten Bebauungsdichten zu regeln. Der Bebauungsplan liegt ebenso wie der Flächenwidmungsplan auf den jeweiligen Gemeindeämtern zur Einsicht auf. Mittlerweile ist er in vielen Gemeinden auch online abrufbar.

In erster Linie regelt der Bebauungsplan die Bauklasse (zulässige Gebäudehöhe), die Bebauungsdichte (%-Anteil der bebaubaren Fläche) und die Bauweise (offen, gekuppelt, geschlossen).

Durch Baufluchtlinien werden Flächen definiert, die zwar im Bauland liegen, aber unbebaut bleiben sollen (z.B.: Bauwiche).
In zugehörigen textlichen Bestimmungen können unter anderem Angaben zu Stellplätzen, Dachformen und deren zulässige Ausgestaltung oder die Gestaltung von Einfriedungen geregelt werden.

Es kann vorkommen, dass zwar ein Flächenwidmungs- aber kein Bebauungsplan vorhanden ist. Dies ist beispielsweise in vielen niederösterreichischen Gemeinden der Fall. Doch das stellt noch lange keinen Freibrief dar, zu bauen wie man möchte. In der jeweiligen Landesbauordnung sind hierfür Regelungen vorhanden, die unter Berücksichtigung des Ortsbilds und der Anrainerinteressen eine Bebauung festlegen.

Für den Fall, dass der Bebauungsplan dem gewünschten Projekt entgegensteht, kann eine Abänderung des Bebauungsplanes angeregt werden. Man hat als Grundstückeigentümer aber keinen Rechtsanspruch auf die beantragten Bebauungsbestimmungen: Es ist keine behördliche, sondern eine politische Entscheidung (Gemeinderat), ob ein Bebauungsplan geändert wird. Da der Bebauungsplan mittels Verordnung erlassen wird, kann auch kein Rechtsmittel eingelegt werden.

Der Gemeinderat hat im Zuge einer geplanten Überarbeitung des Bebauungsplanes auch die Möglichkeit Bausperren zu erlassen. Während einer solchen Bausperre werden sämtliche Einreichungen im zu überarbeitenden Gebiet geprüft. Ein neuer Bebauungsplan wird vor Beschlussfassung zur öffentlichen Einsicht aufgelegt und jedermann kann eine schriftliche Stellungnahme abgeben.

In Wien gibt es die Möglichkeit des „Einfrierens“ durch eine Bekanntgabe der Bebauungsbestimmungen. Grundstückseigentümer*innen haben so für 18 Monate Planungs- und Rechtssicherheit. In anderen Bundesländern besteht diese Möglichkeit nicht, sodass eine Gemeinde sprichwörtlich über Nacht eine Bausperre verhängen kann, um ein ungewolltes Projekt zu verhindern.

Unsere Empfehlung lautet daher: Jedenfalls vor dem Grundstückskauf Einsicht in den Bebauungsplan nehmen, um sich Klarheit zu verschaffen wie das Grundstück bebaut werden darf. Auch vor allem im Hinblick auf das Vorliegen einer möglichen Bausperre oder geplanten Überarbeitung.

March 18, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.4.

113 Architektur Fragen – Frage 3.4.

Was sind „Anrainer“ und welche Rechte haben sie? (Autor: Evgeni Gerginski)

„Den Nachbarn kann man sich aussuchen, die Verwandtschaft nicht“ lautet ein berühmte Sprichwort. Doch ist es wirklich so einfach mit den Nachbarn?

Nachbarkeitsstreitigkeiten wurden vor den antiken Griechen eher mit großen Steinen und Keulen aus dem Weg geräumt. Erst das Zwölftafelgesetz aus dem Jahr 450 v. Chr. legte den Grundstein für die ersten Regelungen zwischen Grundstückbesitzern (römisches Recht). Initiiert wurden dieses im übrigen durch die Ständekämpfe zwischen den Plebejern und den Patriziern. Diese Tafeln waren in Bronze gegossene Schriften, die auf dem Forum Romanum ausgestellt waren – zum Beispiel regelte Tafel VII das Immobiliarrecht. Darin wurden unter anderem die Grenz- und Gebäudeabstände, das Wegerecht, sowie Grenzziehungen festgelegt. Seit den Habsburgern sind diese Regelungen in Österreich gemäß Bundesverfassungsgesetz Ländersache.

Somit darf auch jedes Bundesland selber entscheiden, wie der Begriff „Anrainer“ zu deuten ist und welche Rechte daraus entstehen. In Wien bedeutet der Begriff, dass nur Grundstücke, die gemeinsamen Grundgrenzen haben beziehungsweise durch maximal 20 Meter öffentliche Verkehrsflächen getrennt sind, Anrainergrundstücke sind. Wohingegen in Vorarlberg bloß ein räumliches Naheverhältnis ausreichend ist.

Gemäß OGH Entscheidung aus dem Jahr 1970:
"Anrainer" im Sinne dieser Bestimmungen ist derjenige, dessen Liegenschaft mit einer anderen, im fremden Eigentum stehenden Liegenschaft eine gemeinsame Grundgrenze (Rain) oder wenigstens einen gemeinsamen Grenzpunkt besitzt. Nicht mehr von einer anrainenden, sondern nur von einer "benachbarten" Liegenschaft kann gesprochen werden, wenn sich zwischen zwei Liegenschaften eine dritte, im fremden Eigentum stehende Liegenschaft befindet, bei der aber doch ein gewisses räumliches Naheverhältnis gegeben ist.

Die Bauordnungen sprechen manchmal Anrainern und Nachbarn dieselben Rechte zu. Grundsätzlich werden diese seitens der Gemeinde (Bürgermeister *in = Letzte Instanz) oder der Baubehörde Wien im Zuge des Bewilligungsprocederes genau geprüft. Dennoch haben Anrainer und Nachbarn die Möglichkeit zunächst schriftliche Einwendungen gegen ein benachbartes Bauvorhaben zu erheben und spätestens mündlich im Zuge der Bauverhandlung.

Berechtigte Einwendungen wären zum Beispiel:

  • die Gebäudehöhe
  • Abstand zu den Grundgrenzen
  • Die flächenmäßige Ausnützbarkeit der Liegenschaft
  • Beibehaltung der Fluchtlinien
  • Schutz vor Immissionen

Keine Nachbarrechte sind jedoch zum Beispiel:

  • Wertminderung der eigenen Liegenschaft
  • Fragen des Ortsbildes
  • Freier Ausblick
  • Baulärm
  • Ästhetik
  • Statik und Brandschutz

In den meisten Fällen werden Einwendungen aufgrund subjektiver Wahrnehmungen erhoben, die aus rechtlicher Sicht zwar irrelevant sind, jedoch das Bauvorhaben verzögern, um so persönliche Interessen durchzusetzen.

Werden die Einwendungen seitens der letzten Instanz abgesprochen, so bleibt der Weg zum Verwaltungsgericht.

Eine Reform der Nachbarrechte ist hier dringend notwendig, da die derzeitige Regelung zum Missbrauch verleitet.

March 15, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.3.

113 Architektur Fragen – Frage 3.3.

Wieviel darf ich auf meinem Grundstück verbauen? (Autor: Georg Denninger)

Diese Frage, welche sich prinzipiell jede Person VOR einem Grundstückskauf stellen sollte, ist für jemanden ohne einschlägiges Wissen gar nicht so einfach zu beantworten. Darum ist es empfehlenswert sich vor einem Grundstücksankauf von einem Architekten beraten zu lassen oder auf dem Gemeinde- beziehungsweise Bauamt nachzufragen, denn je nach Bundesland und Gemeinde gibt es unterschiedliche Vorgaben.

Kurz zusammengefasst, ist die Bebaubarkeit eines Grundstückes abhängig vom Flächenwidmungsplan und dem eventuell vorliegenden Bebauungsplan der jeweiligen Gemeinde. Während im Flächenwidmungsplan geregelt wird, was auf dem Grundstück gebaut werden darf (z.B. Ausweisung als Wohngebiet, Gewerbegebiet, Gemischtes Baugebiet, Industriegebiet, etc.), sind im Bebauungsplan die für die Bebaubarkeit relevanten Punkte geregelt. Hier sind unter anderem die Bebauungsdichte, Bauweise, Gebäudehöhe und diverse Fluchtlinien definiert. Weiters gibt es auch die Möglichkeit, dass kein Bebauungsplan vorliegt. In Niederösterreich zum Beispiel regelt die Bauordnung in einem eigenen Paragraphen die Bebaubarkeit, wenn kein Bebauungsplan vorliegt.

Hat man als Grundeigentümer bereits in Erfahrung bringen können welche Widmung die Liegenschaft aufweist und wie der Bebauungsplan aussieht, hat man einmal die Basisinformation für die mögliche Bebaubarkeit ausfindig gemacht.

Jedoch bleiben einige Fragen offen:

  • Welche Ausnahmen oder Sonderbestimmungen sind in den textlichen Ergänzungen zum Bebauungsplan beschrieben?
  • Sind laut Bebauungsplan Grundabtretungen oder Einbeziehungen erforderlich?
  • Welche Vorgaben hinsichtlich der Ausnützung der Grundstücke sind in der Bauordnung der jeweiligen Bundesländer definiert?
  • Was darf in Vorgärten beziehungsweise unter welchen Bedingungen errichtet werden?
  • Wie sieht es mit der Ausnutzbarkeit der seitlichen und hinteren Abstandsflächen aus?
  • Welche Abstände müssen meine Gebäude untereinander aufweisen und ist deren Fläche zusätzlich durch sonstige Paragraphen begrenzt?
  • Unter welchen Umständen kann beziehungsweise muss ich bei der offenen/gekuppelten Bauweise anbauen?

In weiterer Folge gibt es auch die Möglichkeit um Umwidmung beziehungsweise um Abänderung des Bebauungsplans bei den zuständigen Behörden anzusuchen, um die gewünschte Bebaubarkeit oder eine bessere Ausnutzung des Grundstücks zu ermöglichen.

Bei der Beantwortung all dieser Fragen stehen wir Architekt*innen Ihnen, als zukünftige(r) Bauherr*in, Bauträger*in bzw. Projektentwickler*in, natürlich gerne beratend zur Seite, um in Zusammenarbeit mit Ihnen das Grundstück für Sie bestmöglich auszunutzen und neue Lebensräume zu schaffen.

March 15, 2021 - Comments Off on eins und eins ist drei – Günter Hofmann – Amin Abdel-Kader- Groß-Enzersdorfer Straße

eins und eins ist drei – Günter Hofmann – Amin Abdel-Kader- Groß-Enzersdorfer Straße

Wir leben "eins und eins ist drei". Gemeinsam mit unseren Kunden schaffen wir Bauwerke, die den Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt rücken. Dabei ist uns die Zusammenarbeit mit unseren Auftraggebern auf Augenhöhe und in konstruktivem Miteinander besonders wichtig.

Amin Abdel-Kader: "Mit Günter Hofmann (Premium Immobilien) verbindet mich nicht nur unsere berufliche Zusammenarbeit sondern auch jahrzehntelange Freundschaft. Wir ergänzen uns optimal, Günter engagiert sich für die anspruchsvolle Projektentwicklung, ich konzentriere mich auf die Planung."

Günter Hofmann: "Ich pflege mit Amin regen Austausch, das führt zu tiefen Einblicken in die jeweiligen Überlegungen und Herangehensweisen, die uns schon einige Male auch zu neuen Projekten inspiriert haben"

Die beiden waren in ihrer Kooperation auch für die Entwicklung der Immobilie am Genochplatz 1 verantwortlich.

 

March 11, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.2.

113 Architektur Fragen – Frage 3.2.

Warum gibt es neun verschiedene Bauordnungen?

Österreich ist ein föderaler Bundesstaat. Den Bundesländern wird das Recht eingeräumt, auf bestimmten Gebieten eigene Gesetze und Regelungen zu erlassen. Auch Gemeinden haben wiederum das Recht Vorschriften und Verordnungen zu erlassen.

Das föderale Rechtssystem differenziert also zwischen Anliegen von gesamtstaatlicher Bedeutung, die auf Bundesebene geregelt werden müssen und solchen, die den Ländern überlassen werden. Hier spielen regionale kulturelle Unterschiede eine große Rolle und das Bauwesen zählt zu diesen Fachgebieten von regionaler Besonderheit.

Die Landesbauordnungen entstanden Großteils im 19. Jahrhundert und waren schon in der Monarchie Ländersache. Davor gab es in Städten mit eigenem Statut Bauordnungen. Die Niederösterreichische Landesregierung erließ 1829 eine erste Bauordnung für die Stadt Wien, welche die "wichtigsten Rücksichten der öffentlichen Sicherheit, der Regelmäßigkeit und des Ebenmaßes bei den Gebäuden" innerhalb des Linienwalls durchzusetzen sollte. Die Eingemeindung der Vorstädte ins Wiener Stadtgebiet und die Bebauung des Glacis führte um 1850 zur Eigenständigkeit der Stadt Wien in Bauordnungsfragen. Die erste Niederösterreichische Bauordnung wurde 1883 beschlossen.

Die Regeln zum Bauen und Wohnen der Menschen sollten also nicht von oben herab diktiert werden – wo doch ein Dorf im Zillertal ganz anders aussah als im Mühlviertel oder im südlichen Wiener Becken. Viel regionales Fingerspitzengefühl war bei der Gesetzgebung erforderlich und auch die Fachbegriffe zu Siedlungsstrukturen und Bautechnik waren (und sind teilweise noch immer) höchst unterschiedlich.

Auf Grund der wissenschaftlichen Aufarbeitung bau- und raumordnungsrechtlicher Themen, der Berücksichtigung von EU-Richtlinien und letztlich der Rechtsprechung auf Bundesebene entwickeln sich die einzelnen Bauordnungen heutzutage in ganz ähnliche Richtungen. Die Welt wird gefühlt kleiner und angesichts der Globalisierung und der Vereinheitlichung technischer Normen auf europäischer Ebene ist es doch verwunderlich, dass beispielsweise dies- und jenseits der Ketzergasse immer noch unterschiedliche Bauordnungen gelten – obwohl auf beiden Straßenseiten Homo Sapiens leben.

So wie also vor 150 Jahren die Bauordnungen einzelner Städte zu Landesbauordnungen wurden, könnte uns in Zukunft eine Vereinheitlichung zur „Bundesbauordnung“ bevorstehen. Für uns Planer*innen würde sich dadurch einiges vereinfachen, der Weg dorthin ist aber noch weit.

March 8, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 3.1.

113 Architektur Fragen – Frage 3.1.

Wie ist das Baurecht organisiert? (Autor: Andreas Hawlik)

Beim Begriff „Baurecht“ muss man das zivile und das öffentliche Recht unterscheiden.

Als „Baurecht“ wird in Österreich im allgemeinen das private Recht bezeichnet, auf einem fremden Grundstück – oder unter dessen Oberfläche – ein Gebäude zu errichten. Für uns Architekten und unsere Bauherren ist allerdings das „Planungsrecht“ als Teil des öffentlichen Rechts relevanter. Das sind jene Rechtsgrundlagen, welche die Bebauung bzw. Bebaubarkeit eines Grundstücks regeln.

Im Wesentlichen geht es um Einschränkungen der Nutzung und Bebaubarkeit, um ein harmonisches Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Eine ungeordnete „Baufreiheit“ hätte Bau- und Siedlungsstrukturen zufolge, die im Chaos enden. Zum Vergleich: Selbst in informellen Siedlungen in Schwellenländern entstehen meist ungeschriebene Konventionen über Gebäudehöhen und Straßenbreiten. Letztlich profitieren alle Bewohner*innen einer Siedlung von einer solchen Ordnung.

In den beiden Waagschalen der Justitia liegen also Baufreiheit auf der einen und Nachbarschutz auf der anderen Seite.

Diese „Spielregeln“ werden in Österreich vorwiegend in Landesgesetzen geregelt. Im Überblick unterscheidet man die folgenden drei Hierarchiestufen:

  • Raumordnung
  • Bauordnung
  • Bautechnik

Ergänzende Bebauungspläne und Bebauungsvorschriften werden auf Gemeindeebene erlassen und vom Land als Aufsichtsbehörde geprüft. Über den Landesgesetzen und Verordnungen auf Gemeindeebene stehen Bundesgesetze wie Denkmalschutz, Forstgesetz und Arbeitsstättenverordnung. In Bundesgesetzen, wie zum Beispiel dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz werden aber auch EU-Richtlinien umgesetzt.

Die allgemeinen Planungsziele der Raumordnung sind geringer Ressourcenverbrauch, Siedlungen an geeigneten Standorten und die Vermeidung von Beeinträchtigungen des Orts- und Landschaftsbilds.

Die Bauordnung muss neben vielen verfahrenstechnischen Themen auch die Zulässigkeit dreidimensionaler Gebäude regeln. Während z.B. die Wiener Bauordnung versucht, alles in Worte zu fassen, greift die Niederösterreichische Bauordnung auch auf Skizzen zurück, die beispielsweise die Ermittlung der Gebäudehöhe symbolhaft und für Bürger*innen besser verständlich erklären.

Die wesentlichen bautechnischen Vorschriften sind seit einigen Jahren in den OIB-Richtlinien bundeseinheitlich festgeschrieben, die aber auf Landesebene „ratifiziert“ werden müssen.

Das Baurecht hat jedoch zahlreiche Unschärfen und Toleranzen und oft führt die unterschiedliche Auslegung zu Streit – zumeist mit Nachbarn. Oft urteilen die Gerichte restriktiv – denn aus Sicht der Richter dienen die Bauordnungen ja primär dem Schutz der Anrainer. Die solcherart entstehende Rechtsprechung führt bei uns Planern oft zu Unverständnis, da sie die gelebte Praxis auf den Kopf stellt. Die Folge sind meist noch umfangreichere, genauere aber oft auch sperrigere Gesetzestexte.

Unsere Empfehlung lautet daher: Mit Hausverstand planen, den Konsens mit den Nachbarn suchen und so rascher zu einem für alle tragbaren Ergebnis kommen!

March 4, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.13.

113 Architektur Fragen – Frage 2.13.

Was unterscheidet einen "Designer" von einem "Architekten"? (Autor: Amin Abdel-Kader)

Je nach Betrachtungsweise kann man viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den zwei Disziplinen finden. In einigen Bereichen gehen Architektur und Design sogar direkt ineinander über, wie beispielsweise bei Innenarchitektur und Interior-Design.

Im Zentrum der Überlegungen stehen bei beiden Disziplinen der Mensch und seine Bedürfnisse. Beide arbeiten an der Gestaltung und Organisation des Lebensumfelds künftiger Nutzer. Aus den menschlichen Proportionen werden Dimensionen extrapoliert und Nutzungsschemen abgeleitet nach denen geplant wird. Kriterien wie Nutzbarkeit, Platzbedarf, Ergonomie, Funktionalität und Ästhetik finden Eingang in den Entwurfsprozess.

Während Architektinnen und Architekten vor allem an Immobilien, also an auf Bestand ausgerichteten Lebensräumen, arbeiten, befassen sich Designerinnen und Designer meist mit der Gestaltung von mobilen Gegenständen des täglichen Gebrauchs.

Die rechtlichen, technischen und ökonomischen Rahmenbedingungen variieren ebenfalls mit den Aufgaben. Die angewandten Methoden allerdings sind ähnlich und die verwendeten Medien oft die gleichen.

In der Architektur beruht die Planung in großen Teilen auf bereits erprobten und bewehrten Entwurfskriterien und Nutzungskonzepten. Architekten planen einzelne Projekte nach den Möglichkeiten und Anforderungen eines Bauplatzes für eine projektierte Nutzung.

Von der Stadt und Landschaftsplanung bis zur Planung von Wohn-, Arbeits- und Freizeiträumen arbeiten Architektinnen und Architekten an der Schaffung und Gestaltung von besseren Lebensräumen.

Unter Design versteht man allgemein das Gestalten von seriell beziehungsweise industriell produzierten Gebrauchsgegenständen. Der Beruf des Designers entwickelte sich mit der Industrialisierung und den Informationsmedien. Von Fashion-Design, über Industrial-Design, Verpackungs-Design und Graphic-Design, zu Web- und Game-Design bis Food-Design beruht das Prinzip auf einem Entwurfsprozess. Dieser wird in mehreren Durchgängen evaluiert, um einen Prototyp zu entwickeln und auszureifen, bevor ein Produkt in großer Stückzahl in den Markt eingeführt wird. Der Designprozess wird immer abgestimmt auf die Produktionsmethoden und das Marketing eines Produzenten durchgeführt. Von der Bekleidung auf der Haut, zu den Werkzeugen, der Möblierung, zur Mobilität oder den Kommunikationsmedien - Design schafft physische und kognitive Erweiterungen.