February 18, 2021 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 2.11.

113 Architektur Fragen – Frage 2.11.

Was unterscheidet einen „Künstler“ von einem „Architekten“? (Autor: Amin Abdel-Kader)

Die Unterschiede sind so vielfältig wie die handelnden Personen und die Kontexte in denen sie agieren. Die Frage sollte viel mehr lauten, was sind die Gemeinsamkeiten von Künstlern und Architekten? 

Nach dem Ziviltechnikergesetz sind Architekten insbesondere zur Planung von Monumentalbauten, Theatern, Museumsbauten und Kirchen berechtigt, sofern sie vom künstlerischen, kulturellen oder sozialen Standpunkt von Bedeutung sind. Die Aufgabe von Architekten wird, im Unterschied zu anderen Ziviltechnikern, Beratenden Ingenieuren oder Baumeister (gewerblichen Architekten), durch ihren künstlerischen Beitrag an der Planung von Bauvorhaben definiert. Demnach ist es nur Architektur, wenn es Bau-Kunst ist. Ohne Kunst ist Architektur nur eine, im besten Fall beeindruckende, Ingenieursleistung.

ALLES IST ARCHITEKTUR

Hans Hollein (1967): „Begrenzte Begriffsbestimmungen und traditionelle Definition der Architektur und ihrer Mittel haben heute weitgehend an Gültigkeit verloren. Der Umwelt als Gesamtheit gilt unsere Anstrengung und allen Medien, die sie bestimmen. Dem Fernsehen wie dem künstlichen Klima, den Transportationen wie der Kleidung, dem Telephon wie der Behausung. Die Erweiterung des menschlichen Bereiches und der Mittel der Bestimmung der Um-Welt geht weit über eine bauliche Feststellung hinaus …“, um zum Schluss zu kommen:

„Alle sind Architekten. Alles ist Architektur.“

BAU: Schrift für Architektur und Städtebau, 23. Jahrgang, Heft 1/2, Wien 1968

JEDER MENSCH IST EIN KÜNSTLER

Joseph Beuys (1976): „Die Kunst ist das Bild des Menschen selbst. Das heißt, indem der Mensch mit der Kunst konfrontiert ist, ist er im Grunde mit sich selbst konfrontiert. Er öffnet sich dann selbst die Augen. Also ist angesprochen der kreative Mensch, seine Kreativität, seine Freiheit, seine Autonomie. Und das ist nur noch möglich aus dem Kunstbegriff, allerdings muß man ihn dann erweitern. Man kann und darf ihn nicht so traditionell halten und sagen: Das machen die Künstler, und das machen die Ingenieure. Das kann man aber durchbrechen. Und einen Ausweg gibt es allein durch einen erweiterten Kunstbegriff, der anthropologisch ist, der wirklich ernst nimmt, dass jeder Mensch ein Künstler ist, dass in jedem Menschen ein kreativer Kern ist.“

Ausstellung Hamburger Bahnhof, Berlin 2006

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