113 Architektur Fragen – Frage 1.6.

November 14, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.6.

Eine Frage die sich mit zwei Gegensätzen beschäftig und diese zu vereinen versucht.

Auf der einen Seite haben wir Immobilien und Bauwerke an sich, die in ihrer Konstitution eher träge und starr sind. Dem gegenüber steht Wohnraum als Lebensraum, welcher einem ständigen Wandel unterliegt und sich an die jeweilige Lebenssituation seiner Bewohner und Nutzer anpasst.

Flexibilität ist anders.

Das manifestierte Bild einer Wohnung als standardisierter Typ und Zuhause einer Kleinfamilie ist nicht mehr zeitgemäß.

Stattdessen gibt es heute eine Vielfalt an unterschiedlichen Familien- und Haushaltsformen. Wohngemeinschaften, Single-Wohnungen, Patchworkfamilien, Wohnformen für SeniorInnen, eine Vernetzung von Wohnen und Arbeit verändern den Anspruch an Wohnräume.

Um auf diese Ansprüche reagieren zu können braucht es Flexibilität.

Flexibilität ist mehr.

Der altbekannte Gedanke, welcher mit Flexibilität in der Architektur verbunden wird, konzentriert sich auf die Installation flexibler Wand- oder Schiebeelemente, durch die Grundrisse mit geringem baulichem Aufwand verändert werden können.

Aber auch eine Umstrukturierung der klassischen Raumnutzungen in private, halböffentliche und öffentliche Raumzonen kann eine Flexibilität innerhalb einer Wohneinheit mit sich bringen, welche sich jedoch auch über die einzelne Wohnung hinaus in die Gemeinschaftsbereiche des Hauses erstrecken kann.

Losgelöst von der Einteilung in Wohnzimmer, Schlafzimmer und Kinderzimmer, die sich auch in der Größe der Räume niederschlägt, muss Wohnraum immer mehr so ausgestaltet sein, dass er multifunktionale Nutzungen von Räumen zulässt.

Bei der Architektur und Wohnraumschaffung sollten daher nicht nur einzelne funktionale Gebrauchsmuster wie Schlafen, Essen oder Aufenthalt im Vordergrund stehen.

Aufgrund unserer jetzigen Situation mit der Covid 19-Pandemie, aber auch wegen vermehrter Digitalisierung im Heimbereich entstehen neue Formen des Homeoffice und der Telearbeit. Immer mehr Menschen verrichten zumindest einen Teil ihrer Arbeit, sei es notgedrungen oder freiwillig, von zuhause aus.

Es bedarf also entsprechender räumlicher Voraussetzungen, um auch den Spagat zwischen leben und arbeiten an einem Ort zu bewerkstelligen.

Flexibilität ist Zukunft.

Die heutige Zeit ist aufgrund neuer oder rasch wechselnder Lebensstile und -Entwürfe von veränderten Platzbedürfnissen geprägt.

Flexibilität wird daher auch zur Grundlage für Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit, denn eine Wohnung bzw. Wohnraum kann nur dann nachhaltig genutzt werden und Wert behalten, wenn die Architektur so flexibel ist, dass sie sich an die Veränderung der Lebensumstände und die Bedürfnisse der Bewohner anpassen kann.

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