113 Architektur Fragen – Frage 1.5.

November 8, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.5.

Hat der tägliche Weg zum Arbeitsplatz ausgedient?

Zugegeben, nicht jeder wird derzeit mit dieser Frage konfrontiert sein. Aber spätestens seit den verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde klar, dass auch in der Arbeitswelt kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Was sich vor der Krise langsam abzeichnete wird schnell zum Standard.

Der Transfer des Arbeitsplatzes nach Hause, in den Park, ins Auto oder an den Strand erhielt nun einen turbo-boost. IT-Firmen ebenso. Jeder muss plötzlich in Technologie investiere, ob er will oder nicht. Die Zukunft ist da, von einem Augenblick zum anderen!

Viele, vor allem große Unternehmen, haben die Vorteile für sich erkannt und lassen ihre Mitarbeiter nun noch mehr von auswärts arbeiten oder verlagern gleich ganze Abteilungen in Länder mit günstigen Lohnnebenkosten. Digitalisierung macht es möglich. ,

Die Großraumbüros werden derzeit überdacht und neuartige Konzepte entwickelt, die sich eher auf Einzelbüros, Besprechungsräume und Räumlichkeiten zu Stärkung der Identifikation mit dem Unternehmen fokussieren, um so Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch auf Distanz zu schaffen. 

Spannend ist dabei die Auseinandersetzung mit der Nachnutzung freiwerdender Büroflächen in den nächsten Jahren. Das wird in vielerlei Hinsicht die Städte verändern. Vielleicht ist das aber auch eine Chance für die in der Zwischenzeit vielerorts entstandenen reinen Schlafstädte – hier wird Leben auch tagsüber eingehaucht und Diversität geschaffen.

Das Arbeiten in der eigenen Wohnung stellt viele vor großen Herausforderungen, was den dafür notwendigen Arbeitsraum und dessen Leistbarkeit betrifft. Hier sind Architekten mit den Bauherren gemeinsam gefordert, den Wohnraum arbeitsfit und gleichzeitig leistbar zu gestalten. Schiebewände, Schiebetüren und faltbare bzw.  flexibel einsetzbare Möbel sind vielleicht Antworten auf das Arbeiten in der eigenen Wohnung. Außerhalb können zumietbare Mini-Büros im eigenen Haus die Lösung sein. 

Auf jeden Fall wird der Spagat zwischen physical distancing ohne social distancing und die damit verbundene Gefahr der Zersprengung der Gesellschaft kein einfacher werden.

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