113 Architektur Fragen – Frage 1.3

October 23, 2020 - Comments Off on 113 Architektur Fragen – Frage 1.3

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Architektur. "Trends und Zukunft" ist unser erstes Stichwort:

Die Entwicklung des Wohnbaus von morgen

Die Kenntnis von Trends im Wohnbau ist für uns Architekten essentiell.

Wir stehen am Anfang der Produktentwicklung: Bis eine von uns geplante Wohnung bezogen wird, dauert es im Regelfall etwa drei Jahre. Die Nutzungsdauer einer Wohnung sollte in der geplanten Form ca. 30 Jahre betragen – im Idealfall ohne zusätzliche Investitionen in die innere Organisation.

Für die nachhaltige Planung aus Sicht des Nutzers oder Vermieters ist also ein langer Betrachtungszeitraum zu berücksichtigen. Daraus folgt die spannende Aufgabe für uns Architekten und unsere Bauherrn, die mit uns gemeinsam ein Projekt erdenken:

Wir müssen kurzlebige Trends von dauerhaften Entwicklungen unterscheiden.

Bis 02|20 (Beginn der sog. COVID-Krise) konnten über die letzten 15 Jahre langjährige Entwicklungen verfolgt werden, die auf die meisten unserer Projekte zutrafen:
Stetiger Zuzug in die Städte, Sinken der Personenzahl pro Haushalt, Reduktion der Wohnungsgrößen und Reduktion der Zimmeranzahl. Parallel dazu wurde die Fußbodenheizung zum Standard und möglichst jede Wohnung erhielt einen Außenbereich. Was die Lage betraf, galt als goldene Regel: Je näher bei der U-Bahn, desto besser.

Der Shutdown von April 2020 stellt einen breitgestreuten Feldversuch in Hinblick auf alternative Arbeitsformen, Digitalisierung, Mobilität und familiäre Stabilität dar. Für uns Planer gilt es nun herauszufinden, welche Veränderungen aus diesem Experiment nur ein flüchtiger Trend sind und welche sich dauerhaft etablieren werden.

Der Bedarf an Wohnraum mit Möglichkeit zum ungestörten Arbeiten wird wachsen. Eine Antwort können Co-Working-Spaces sein, was wiederum eine riesen Chance für ungenutzte Erdgeschoßzonen sein kann.

Der Wunsch nach Freiraum wird das Wohnen außerhalb der Stadt wieder ins Bewusstsein rücken – eine Chance, kleineren Städte wieder mehr Leben einzuhauchen. Vielleicht kehrt sich das Verhältnis von Hauptwohnsitz in der Stadt und Zweitwohnsitz am Land um! Die Landgemeinden würden es uns in Hinblick auf ihre Finanzen danken! Innerstädtisch könnte der Bedarf an kompakten Wohneinheiten weiter steigen: Zweitwohnsitze für 2-4 Arbeitstage pro Woche.

Das tägliche Pendeln über weite Strecken und die damit verbundene Verkehrsproblematik könnte sich entschärfen, wenn Daten statt Personen pendeln.

Unsere Verantwortung hierbei: Als Trendsetter und Planer können wir zu diesen Entwicklungen beitragen!

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